Gemäßigte Windstärken

Wagner: Der fliegende Holländer Saarbrücken / Saarländisches Staatstheater

Viele regieführende Frauen haben der Operninterpretation namentlich in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert beträchtlichen Auftrieb verliehen, zuweilen mit durchaus spezifischen Perspektiven eines nicht allzu eng zu definierenden «weiblichen» Blicks. Diesen reklamiert auch Aurelia Eggers für sich und ihre Saarbrücker Inszenierung des «Fliegenden Holländer». Doch in der Ausführung erweist sich die Konzeption als zu wenig rund, zu unentschlossen zwischen psychologisierendem Naturalismus auf der einen, Oratorium und Mysterienspiel auf der anderen Seite.

Ins Abstrahierend-Überhöhte lenken die meist statuarischen Chorauftritte ebenso wie das mit einem beweglichen Spiegelelement ausgestattete Bühnenbild von Stephan Mannteuffel, das mit den zwei geknickt aufragenden Ofenrohren eher skurril als gelungen daherkommt.

Hiroshi Matsuio – ein sonorer Daland – tritt anderthalb Akte lang wie Johannes Heesters als Champagnergraf auf (Kostüme: Veronika Lindner), um danach kurios zum Landjunker zu mutieren. Spielopernhaft pointiert erscheint seine Beziehung zu Judith Brauns Mary, einer auf Glitzerzeug scharfen, herausgehoben eleganten Erscheinung. Ungewöhnlich deftig auch die Dauerhatz der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hans-Klaus Jungheinrich

Weitere Beiträge
Arrivederci Napoli!

Im Zuge der italienischen Opernkrise hat nach nur zweieinhalb Jahren im Amt auch Nicola Luisotti im vergangenen Oktober seinen Rücktritt vom Posten des Musik­direktors am Teatro di San Carlo in Neapel verkündet. Doch anders als Riccardo Muti in Rom scheidet Luisotti mit Anstand: Er hat dem Management, dem Mitarbeiterstab, seinem neapolitanischen Publikum und der...

Was kommt...

Ran an die Raritäten
Erfurt macht «Sigurd» von Ernest Reyer, Osnabrück Manfred Gurlitts «Soldaten» und Oldenburg Mieczyslaw Weinbergs «Der Idiot». In Frankfurt gibt’s Antonio Cestis «L’Orontea», in Paris André Campras «Les Fêtes venitiennes» – der nächste Monat bringt Randständiges im Überfluss.

Wahn, Wahn, Wahn
Diana Damrau singt an der Bayerischen Staatsoper eine...

Das Experiment

Salomone Rossi (ca. 1570 bis ca. 1630), ein «Ebreo da Mantova», wirkte als Geiger, später als Kapellmeister am Hof der Gonzaga in Mantua, war also ein nur wenig jüngerer Kollege Claudio Monteverdis. Neben höchst eigenständigen Beiträgen zur frühen Instrumentalmusik ist besonders Rossis geistliche Musik für die Synagoge von Bedeutung. Durch einen rabbinischen Erlass...