Gelächter am Abgrund
Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg) sieht man unterdessen, wie sich eine achtköpfige Menschenschar in einer Art Vorraum tummelt, aufgeregt tuschelnd und garstig gackernd wie ein Hühnerhaufen, nur weitaus eleganter gekleidet.
Vanessa Rust hat die vier Schauspielerinnen und vier Schauspieler sämtlich in schmucke Brautgewänder gesteckt und ihnen die Haare so hoch und so schrägschrill toupiert, dass man sich auf einer Hochzeitsparty voller Verrückter wähnt. Aber das stellte sich schon bald als gewaltiger Irrtum heraus.
Kein Wunder, das Stück, das im Deutschen Theater Berlin zu sehen und zu hören ist, heißt «Ursonate» und wurde von seinem Schöpfer in einem neunjährigen Ringen mit Lauten und Lautmalereien, Formen und Formlosigkeiten sowie mit Sinn und Nicht-Sinn zwischen 1923 und 1932 zu Papier gebracht, gleichsam als poetisch-politische Reflexion auf jene prekäre ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 22
von Jürgen Otten
Und kein Traum ist völlig Traum», so heißt es doppeldeutig in Arthur Schnitzlers «Traumnovelle». Dieselbe Assoziation stellt sich beim Betrachten des CD-Covers ein, vermittelt über «Eyes Wide Shut», Stanley Kubricks filmischen Schwanengesang auf Schnitzlers Spuren. Denn es zeigt Karine Deshayes und Jérôme Correas mit geschlossenen Augen, als träumten sie Mozarts...
Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.» Mephistos kryptisch-dialektische Antwort auf Fausts Frage in Goethes Tragödie hat Generationen von Interpreten beschäftigt. Auch Michail Bulgakow, der das Zitat seinem satirischen Roman «Der Meister und Margarita» aus dem Jahr 1940 vorangestellt hat. Dort...
Seiner großen, noch dazu unerfüllten und verbotenen Liebe ein noch größeres Denkmal zu setzen, wagte Richard Wagner mit «Tristan und Isolde». Doch das Gigantische und Grenzensprengende der «Handlung in drei Aufzügen» brachte Proben und Aufführungen an den Rand des Scheiterns: Als unspielbar galt der Orchesterpart, der Dissonanzspannungen auftürmt und emanzipiert,...
