Help! Gina-Lisa Maiwald (vorne), Roman Lemberg (Klavier), Shin Joo Morgantini (Flöte) und Louis Bona; Foto: Sophiensaele/Ioni Laibaroes

Gegenzauber

Das Künstlerkollektiv «Hauen und Stechen» vitalisiert die Musiktheaterszene mit ungewohnten Interpretationen bekannter Stoffe

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Der kurze Sommer der Anarchie dauert an. Mit unverminderter Kraft, mit frech-frivolem, umgekehrt-erhabenem Geist. Doch nicht durch die großen Berliner Häuser wandelt derzeit die kecke Gestalt. Man muss in die Seitengassen der bundesdeutschen Kapitale abbiegen, um ein Musiktheater zu erleben, das in einer Gesellschaft von Singularitäten jenen Gegenzauber entfacht, der über reinen Spaßguerilla-Aktionismus hinausweist. Es geht um eine erweiterte Idee von dem, was theatral möglich ist. Und die ist, in ihrer Andersartigkeit, Authentizität und anarchischen Grundstruktur, fürwahr betörend.

Die Gruppe «Novoflot» hat es vorgemacht. Nun schickt sich das Kollektiv «Hauen und Stechen» an, dieses Ideal einer diskursiven, mit soziologischen wie anthropologischen Kontexten angefüllten Interaktion fortzusetzen. Interessant ist daran zunächst, dass sowohl Sven Holm, Mitgründer von «Novoflot», als auch Franziska Kronfoth und Julia Lwowski, die 2012 gemeinsam mit dem Fotografen und Galeristen Thilo Mössner «Hauen und Stechen» ins Leben riefen, an der Musikhochschule «Hanns Eisler» studiert haben. Was zwei Deutungsoptionen offeriert: Entweder sie alle empfanden das Studium als so konventionell, dass ...

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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Jürgen Otten

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