Help! Gina-Lisa Maiwald (vorne), Roman Lemberg (Klavier), Shin Joo Morgantini (Flöte) und Louis Bona; Foto: Sophiensaele/Ioni Laibaroes
Gegenzauber
Der kurze Sommer der Anarchie dauert an. Mit unverminderter Kraft, mit frech-frivolem, umgekehrt-erhabenem Geist. Doch nicht durch die großen Berliner Häuser wandelt derzeit die kecke Gestalt. Man muss in die Seitengassen der bundesdeutschen Kapitale abbiegen, um ein Musiktheater zu erleben, das in einer Gesellschaft von Singularitäten jenen Gegenzauber entfacht, der über reinen Spaßguerilla-Aktionismus hinausweist. Es geht um eine erweiterte Idee von dem, was theatral möglich ist. Und die ist, in ihrer Andersartigkeit, Authentizität und anarchischen Grundstruktur, fürwahr betörend.
Die Gruppe «Novoflot» hat es vorgemacht. Nun schickt sich das Kollektiv «Hauen und Stechen» an, dieses Ideal einer diskursiven, mit soziologischen wie anthropologischen Kontexten angefüllten Interaktion fortzusetzen. Interessant ist daran zunächst, dass sowohl Sven Holm, Mitgründer von «Novoflot», als auch Franziska Kronfoth und Julia Lwowski, die 2012 gemeinsam mit dem Fotografen und Galeristen Thilo Mössner «Hauen und Stechen» ins Leben riefen, an der Musikhochschule «Hanns Eisler» studiert haben. Was zwei Deutungsoptionen offeriert: Entweder sie alle empfanden das Studium als so konventionell, dass ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Jürgen Otten
Es war ein Amerikaner, der die tragédies lyriques des Sonnenkönigteams Jean-Baptiste Lully und Philippe Quinault vor drei Jahrzehnten wieder auf die Tagesordnung setzte. Erst die von William Christie zum 300. Todestag Lullys betriebene Wiederentdeckung des «Atys» (1676) gab den Anstoß, auch seine anderen für Versailles verfassten Bühnenwerke vom Archivstaub zu...
Als Ludwig van Beethoven nach Wien kam, wo er ursprünglich nur eine Woche bleiben wollte, war dort die Hausmusik in voller Blüte, und nicht selten wurde dabei das Klavier durch die damals überaus beliebte Gitarre ersetzt. Das Album «A week in Vienna», das Lieder von Beethoven, Weber und Schubert mit einigen Mozart-Arien verbindet, lässt diese Tradition wieder...
Mit einer Doppel-CD erinnert das Label Musique en Wallonie an den 1868 in Liège geborenen Bassisten Pierre d’Assy. Nach Stationen in Lyon, Den Haag und Brüssel (1898-1907) wurde er für zwei Jahre an die Pariser Opéra verpflichtet, wo er sich allerdings hauptsächlich mit Nebenrollen zufriedengeben musste. 1909 wechselte er nach Lyon und starb dort im März 1910 an...
