Gefangen in der Wiederholungsmaschine?

Wie können Oper und Musiktheater angesichts der Digitalisierung und Globalisierung aller Lebensbereiche arbeiten, um aufzuklären, Sinne und Verstand zu sensibilisieren für die selbstverschuldete Gefährdung der Welt? Ist das ihre Aufgabe? Darüber diskutierten Mitte Februar in Heidelberg mehr als 20 Künstler, Operndirektoren, Dramaturgen und Musikjournalisten. Stimmen zu einer alten, immer aktuellen Frage

Peter Konwitschny (Regisseur): Woher kommt unser Theater? Es ist in Griechenland entstanden. Und zwar in Zusammenhang mit der Entstehung der Polis, einer demokratischen Verfassung, des Staates. Im Zentrum stand der Dialog. Alle freien Bürger gingen ins Theater und diskutierten über das, was sie gesehen hatten. «Die Perser» zum Beispiel. Oder «Antigone». Das war keine Unterhaltung. Da wurden existenzielle Themen verhandelt, die alle angingen. Das Theater war nicht irgendeine Nebensache, es stand mitten im Leben, mitten in den Auseinandersetzungen.

Ich finde, dass Theater heute nichts anderes ist. Die Stücke, ob Musiktheater oder Schauspiel, drehen sich um unsere innersten Probleme. Wenn man «Die Perser» ernst nehmen würde – natürlich setze ich eine gute Inszenierung voraus –, dann käme kein Mensch mehr auf die Idee, Krieg zu führen. Theater hat immer auch einen Auftrag. In diesem Sinn ist es für mich politisch.

Lydia Steier (Regisseurin): Ich bin in den USA aufgewachsen. Dort gibt es kein politisches Musiktheater. Jedenfalls keines, das mit der zeitgenössischen Theaterkultur in Deutschland vergleichbar wäre. Das würde niemand finanzieren. Und deshalb bekommt es auch niemand zu ...

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Opernwelt April 2015
Rubrik: Politisches Musiktheater, Seite 24
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