Gefährliche Liebschaften

«The Rape of Lucretia» in einer ENO-Version und «Albert Herring» aus Glyndebourne auf DVD

Opernwelt - Logo

Benjamin Brittens todernste, abgründige Kammeroper «The Rape of Lucretia» (Die Schändung der Lukretia) aus dem Jahr 1946 und die ein Jahr später folgende parodis­tische Komödie «Albert Herring» sind für ­dieselbe kleine Orchesterbesetzung komponiert. Und doch klingt die Tragödie weitaus intimer, ja spröder als das Satyrspiel. Man möchte meinen, dass sich beide Stücke für eine filmische Version besonders gut eignen, und im Falle der im Studio gedrehten, kargen, gleichwohl enorm spannungsvollen Version der «Lucretia» nach einer Produk­tion der ENO von 1987 trifft das auch zu.

«Albert Herring» in einer Aufführung des Glyndebourne Festivals von 1985 dagegen ist nicht nur penetrant rotstichig oder farblos (je nachdem, wie man den Fernseher jus­tiert), sondern darüber hinaus hoffnungslos antiquiert inszeniert.
Peter Hall hat sich realistische Räume bauen und ebensolche Kostüme schneidern lassen und führt seine Sänger darin hemmungslos aufgesetzt. Das ermüdet schon nach wenigen Minuten. Und erst, wenn die Handlung sich zu verdichten beginnt, gewinnt auch dieser Film an Spannung: wenn der frisch gekürte Maien-­König Schluckauf bekommt, weil man ihm Rum in die Limonade gemischt hat; vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: DVDs, Seite 56
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Orlando

Wenn Zürich jetzt Händels «Orlando» von 1733 herausgebracht hat, wünscht man sich, dass Alexander Pereira die beiden anderen Händel-Opern nach Ariost, nämlich «Ariodante» (1734) und als Wie­deraufnahme «Alcina» (1735) folgen lassen möge, um alle drei dann zu einer Trilogie zusammenzuschließen (nach dem Vorbild der Zürcher römischen «Kaiser»-Trilogie mit Monteverdis...

Verwirrte Gefühle

Kaum vorstellbar: eine Auffüh­rung des «Figaro» mit deutschen Dialogen oder die «Entführung» mit Secco-Rezitativen auf Ita­lienisch. Im Falle von Mozarts «La finta giardiniera» gibt es extreme Fassungsunterschiede: Für Augsburg (1780) hat Mozart das Stück als Singspiel mit gesprochenen deutschen Texten autorisiert. Dass beide Versionen freilich nur zwei Seiten...

Liebe zum Leben

Es könnte ein Raum sein, den Anna Viebrock in die Welt gesetzt hat. Ein Wartesaal, womöglich ein schloss­ähnliches Ge­bäude. Ein milchiges Fenster. Fotos einer schönen Frau. Und jede Menge Stühle. Links ein Hügel aus dunkelbraunem Sand. Aber davor die Todesgrube, gebuddelt im göttlichen Auftrag, bestimmt für Eury­dike. Mittendrin in dieser Stätte des Todes, die...