Geburt eines neuen Seins
Bürgt der Volkston in den «Wunderhorn»-Texten für eine leichtere Umsetzung in Musik?
H. R.: Ja, denn er bietet dem Komponisten mehr Raum als ein Gedicht aus der Kunstlyrik, das in sich viel strenger gefügt ist. Beim «Wunderhorn» haben wir diese Sprünge, die die Texte machen, bei denen also, verglichen mit ihren Vorlagen, manchmal ganze Strophen ausgelassen werden, so dass der Sinnzusammenhang teilweise nur schwer zu erschließen ist. Genau das aber bietet dem Musiker einigen Freiraum.
Ein zweiter Punkt: Viele dieser Texte stammen aus der Gesangsüberlieferung, sie enthalten bereits eine Art Grundmelodie, an die viele Komponisten ganz bewusst anknüpfen.
Was ist aus musikalischer Sicht das Unverwechselbare am «Wunderhorn»?
T. H.: Ich komme eigentlich aus rückwärtiger Sicht zum «Wunderhorn», d. h. durch die Brille Heines und Wilhelm Müllers, die beide deutlich vom «Wunderhorn» geprägt sind. So gelange ich zu einer sehr ursprünglichen Form dessen, was «Volkslied» eigentlich meint: Es ist der Versuch, in unverkünstelter, ungeschönter Weise ein bestimmtes Geschehen im Leben zum Ausdruck zu bringen. Beim Volkslied handelt es sich um einen sehr direkten Zugang zum Leben, bei dem die Emotionen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Schwanengesang nicht nur der sechzehnjährigen Generalintendanz Joseph Volpes an der Metropolitan Opera, sondern auch der Regiekarriere Otto Schenks kommt dem neuen «Don Pasquale» in gewissem Sinne historischer Stellenwert zu. Natürlich wundert es niemanden, wenn das Ganze durch und durch konventionell ausfällt. Dass die Herren Volpe und Schenk niemals...
Herr Braunfels, Sie zählen nicht nur als Schöpfer einiger Großbauten wie der Pinakothek der Moderne in München sowie des Paul-Löbe-Hauses und des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin zu den meistbeschäftigten Architekten Deutschlands. Nun haben Sie für eine neue «Lohengrin»-Produktion des Festspielhauses Baden-Baden das Bühnenbild entworfen. Was reizt Sie an...
Pädagogisch tätig zu sein, ist mir ein unbedingtes Bedürfnis, ein leidenschaftliches Anliegen», sagt Thomas Hampson im Gespräch über den Meisterkurs für Liedgesang, den er beim Heidelberger Frühling abgehalten hat. Tatsächlich wies die Arbeit mit vierzehn Nachwuchssängern den amerikanischen Bariton als berufenen Lehrer aus und bestätigte nachdrücklich das eingangs...
