Fünf Jahre, hundert Aufführungen
Als 1990 der erste Ministerpräsident Brandenburgs gewählt wurde, hatte das Land noch fünf Mehrspartentheater, die ganzjährig Oper, Ballett, Schauspiel und Orchesterkonzerte anboten. Ein einziges davon hat die Rotstiftpolitik der vergangenen 25 Jahre überlebt: das Staatstheater Cottbus (siehe Seite 78). Nicht einmal die Bühne der Landeshauptstadt Potsdam verfügt heute über eine eigene Tanz- und Sängertruppe.
Unhaltbare Zustände, fand Arnold Schrem – und rief mit ein paar Gleichgesinnten 2011 die Wanderoper Brandenburg ins Leben.
Die Idee: mit kleinen, mobilen Ensembles Musiktheater in entlegene Regionen zu tragen und Menschen für die aufwändigste aller Künste zu begeistern, die sonst kaum eine Chance hätten, mit ihr in Berührung zu kommen. Von Anfang an hatte der ehemalige Operndirektor des Theaters Stralsund/Greifswald, der als junger Mann Walter Felsenstein assistierte, dabei vor allem Schüler und Senioren im Visier. Neun Produktionen, darunter «Hänsel und Gretel», eine «Zauberflöte» und – als Werkstatt für arbeitslose Sänger – Brittens «Noahs Flut», hat Schrems «Verein für kulturelle Bildung» inzwischen gestemmt. Fast 100 Aufführungen mit rund 25 000 Zuschauern weist die Bilanz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Albrecht Thiemann
Wenn der fabelhafte John Osborn als Rossinis Otello die Bühne des Theaters an der Wien betritt, stellen wir fest: Kein Blackface. Schwarzer Vollbart, Turban – aber nicht das (heute oft als rassistisch empfundene) schwarz geschminkte Gesicht, mit dem etwa der russisch-jüdisch-amerikanische Jazzsänger Al Jolson am Broadway reüssierte und das für Darsteller wie...
Mitunter relativieren Opernausgrabungen ein wenig das Licht, in dem historisch benachbarte Giganten glänzen. Zu den verkannten Tonschöpfern gehört der böhmische Komponist Florian Leopold Gassmann. Ab 1763 als Nachfolger Christoph Willibald Glucks am Wiener Hof, war er hörbar ein Vorarbeiter Mozarts. Doch im Gegensatz zu den beiden Kollegen ist der fähige Gassmann...
Ein Haus mit der Nummer 15. Daneben die 20. Dann wieder eine niedrige Hausnummer. So springt das hin und her, in St. Georgen im Attergau. Wer soll das durchschauen? Und doch hat die mysteriöse Zählung System, hier in diesem Ortsteil unweit des Attersees, in dem noch das Rauschen der österreichischen Westautobahn zu hören ist. Denn hier herrscht noch ein altes,...
