Frauen Power

Entdeckung der Mailänder «Carmen» ist die georgische Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili – auf der Scala-Bühne von Schauspielregisseurin Emma Dante in Szene gesetzt, aus dem Graben von Daniel Barenboim begleitet

Es ist immer misslich, wenn eine gut geölte Werbemaschinerie Erwartungen weckt, die nicht einmal das beste Opernhaus der Welt erfüllen kann. Kaum war der Vorhang nach der Premiere gefallen, ließ sich Daniel Barenboim, allen Buhrufern gegen die Regie zum Trotz, im biblischen Tonfall – «Ich aber sage euch» – folgendermaßen vernehmen: «Ich komme aus dem Land der Propheten, und ich garantiere euch, dass diese ‹Carmen› zur Legende wird.» Und niemand hat gelacht.

Zwar glauben wir nicht, dass Barenboim ein besonders begabter Prophet sei, doch ist er ein ausgezeichneter Dirigent und ein mindestens ebenso guter PR-Stratege seiner selbst. Natürlich wurde das Diktum überall zitiert.

Wir haben die – bessere – Vorstellung eine Woche später gesehen, waren aber, dank Stéphane Lissner und der französischen Connection zum Kulturkanal arte, zumindest vor dem Fernsehschirm auch am ersten Abend dabei. Der Vergleich war nicht unergiebig. So beginnt eine Eröffnungsvorstellung des Teatro alla Scala, die traditionell am Ambrosiustag zelebrierte «Inaugurazione», bei der die gute und die bessere Gesellschaft Mailands sich selbst feiert, in der Regel schon vor dem Opernhaus mit Protesten, manchmal Tumulten ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Dietmar Polaczek

Vergriffen
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