Fragen: größer als der Raum selbst

Uraufführung von Pierre Jodlowskis «Allan T.» bei den Donaueschinger Musiktagen

Opernwelt - Logo

Pierre Jodlowski hat sein 80-minütiges Musiktheater dem Mathematiker Alan Turing gewidmet. Sein genreübergreifendes Kammermusikwerk für eine Sängerin, einen Schauspieler, fünf Musiker und audiovisuelle Geräte ist voller Widersprüchlichkeiten – ähnlich wie das Leben des Protagonisten. Turing war ein Held im Hintergrund des Zweiten Weltkriegs: mathematisches Genie und Vater der künstlichen Intelligenz – und auch: offen homosexuell. Im puritanischen England lebte er damit als Krimineller. Deswegen wurde Turing 1952 gezwungen, sich einer chemischen Kastration zu unterziehen.

Ausgeschlossen aus wissenschaftlichen Kreisen und allmählich aus der Gesellschaft, starb Turing schließlich im Alter von 42 Jahren sehr zurückgezogen.

Das Libretto von Frank Witzel erzählt keine lineare Geschichte, sondern ist eher ein Psychogramm, bestehend aus mehreren Facetten – eine Art Collage aus diversen Puzzleteilen. Was hier Struktur gibt, das sind wiederkehrende Teile: ein Dialog zwischen Turing (Thomas Hauser) und einer Maschine, die ihm mit zunehmend verzerrter Stimme Fragen über Unsterblichkeit stellt, über den Unterschied zwischen Mensch und Maschine oder Schmerz. Zu diesen sehr philosophischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Sophie Emilie Beha

Weitere Beiträge
Personalien, Meldungen Dezember 2021

JUBILARE

Eric Halfvarson debütierte 1973 als Basilio in Rossinis «Il barbiere di Siviglia» im Rahmen der Lake George Opera Tour (der heutigen Opera Saratoga). Von da aus führte ihn sein Weg zunächst ans – von ihm mitbegründete – Opernstudio der Houston Grand Opera, auf deren Bühne der Bass bereits in kleineren Partien auf sich aufmerksam machte. In den...

Entblößt, nicht befreit

Beim letzten Neustart gab es Verdi: den allerdunkelsten von allen. Doch «Macbeth», im Oktober 2008 von Martin Kušej inszeniert, bescherte der Intendanz von Nikolaus Bachler einen holprigen Beginn. Und das nicht allein, weil der später aus dem Haus gedrängte GMD Kent Nagano übergangen wurde und Gast Nicola Luisotti dirigierte. Sondern auch, weil sich schon damals...

Apropos... Herausforderungen

Herr Bauer Kanabas, Sie scheinen auf Könige abonniert zu sein: Sie sind Marke im «Tristan», Philipp II. in «Don Carlo», Heinrich im «Lohengrin», auch René in «Iolanta» oder Herzog Blaubart. Liegen Ihnen die Herrscher stimmlich besonders gut, oder ist das eher eine emotionale Sache?
Das trifft beides zu! Ich sehe mich als Basso cantante: Die Königsrollen brauchen...