Flachrelief

Mozart: Così fan tutte Stuttgart / Oper

Jeder weiß, was gespielt wird. Von Anfang an. Und es sieht schwer danach aus, dass in dem braunschwarz furnierten Wohnregal, das Herbert Murauer auf die Bühne der Stuttgarter Oper gewuchtet hat, nicht die erste Swinger-Übung läuft. Was die drei Damen und die drei Herren schon so alles ausprobiert haben, wenn sich der Vorhang quietschend für das nächste Abenteuer hebt, bleibt natürlich verborgen. Die Ouvertüre jedenfalls lässt nichts blicken: Sylvain Cambreling und das Staatsorchester halten sich bedeckt.

Abgeklärt, fast beiläufig klingen die einleitenden C-Dur-Schläge, seelenruhig ebnen Oboen und Fagotte den Weg zur Dominante, aus der das Presto stürzt. Auch hier gerät nichts aus der Fassung: gedämpfte Gefühle statt rasender Herzen. Eingefroren, wie in einem Filmstill – so stellt der griechische Regisseur Yannis Houvardas uns die «Così»-Figuren vor. Erst das Triolen-Gemurmel der zweiten Violinen im G-Dur-Terzett erlöst sie aus der Starre, erst mit Ferrandos «La mia Dorabella» kommt etwas Bewegung in die Geometrie der Liebe.

Dorabella und Fiordiligi sind also eingeweiht, wenn Don Alfonso mit Ferrando und Guglielmo auf die Untreue der Bräute wettet. Sie wissen über das Komplott, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Vibrierende Theatralität

Erst vor Kurzem ist eine Studioaufnahme von Agostino Steffanis großartiger Oper «Niobe» erschienen (siehe OW 3/2015), hervorgegangen aus einer Produktion des Boston Early Music Festivals. Jetzt folgt bereits eine weitere Aufnahme dieses Werks, die auf Mitschnitten einer Aufführungsserie am Royal Opera House Covent Garden basiert. Nach dem enormen Erfolg, den...

Inselfunde

Dokumente englischer Gesangskunst stehen im Fokus des britischen Labels Heritage Records – nicht nur Wiederveröffentlichungen bekannten Materials wie die frühen HMV-Aufnahmen von Peter Pears und Benjamin Britten, sondern auch Interpreten, die neu zu entdecken sich lohnt.

Die in Schottland geborene Isobel Baillie (1895-1983) war im Bereich Konzertsektor für einige...

Heimgeholt

Aribert Reimanns «Lear» war ursprünglich für die Hamburgische Staatsoper gedacht (vom damaligen Intendanten August Everding in Auftrag gegeben). Es dauerte mehr als dreißig Jahre, bis das weltweit erfolgreiche Stück dort endlich ankam. Die szenisch von Karoline Gruber und musikalisch von Simone Young verantwortete Aufführung wurde in «Opernwelt» durch Jürgen...