Frech kommt weiter

Die Welsh National Opera verpasst ihrer Figaro-Trilogie ein sehr heutiges Ende: In Cardiff heiratet Rossinis «Barber» mozartlich seine Susanna – die in Elena Langers «Figaro Gets a Divorce» mit einem Nachtclubbesitzer namens Cherub fremdgeht

Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen rechts mit seinen dramatisch geweiteten Ohrläppchenlöchern einfach mehr geboten wird. Auf der Ledercouch beobachten die nächsten Kunden eine radikale Haupthaarrasur.

Es gibt «Electric Tattooing» und einen aufreizenden Firmennamen: «Keep the Faith». Das fünfte Bon-Jovi-Album könnte damit gemeint sein – oder das derzeitige Klima. Der Sturm lässt Schirme umklappen, es regnet quer. Da bewahrt man sich lieber den Glauben, wie Bon Jovi empfiehlt, in diesem Fall ans nächste Hoch, und geht entweder in eines der vielen heimeligen Arcadencafés oder eben zum Stylen. Oder (fünf Pfund, Samstagsangebot) zur Kopfmassage.

An Cardiff als Stadt der Friseure, daran hatte man nun weniger gedacht. Doch in fast jeder Arkade gibt es mindestens einen. Figaro hier, Figaro da: Wo also sollte eine solche Operntrilogie besser hinpassen als ins Millenium ...

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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel