Fern tümelnder Romantik

Weber: Der Freischütz Darmstadt / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Wunderbar, wie in der Ouvertüre die Soloklarinette als jäh aufschießende Flamme die Allegro-Erregungen des Orchestertuttis durchbrach, an Klangmacht der impetuösesten Trompete nicht nachstehend und doch so viel verwandter einer transzendierten Menschenstimme. Auch die Hörnergruppe des Staatsorchesters, leicht aufgeraut und virtuos eloquent, hatte unter der souveränen Leitung von Marc Piollet Format – so gelang eine markante musikalische Konzeption, weitab von klischeehaft «tümelnder» Romantik-Tradition.

Selbst der harmlos daherkommende Brautjungfernchor bekam noch ein raffiniertes Rubato mitgeteilt. An dieser hochrangigen musikalischen «Freischütz»-Wiedergabe hatten die Sänger einen nicht geringen Anteil, vor allem die ruhevoll gestaltende und aussingende Susanne Serfling (Agathe), die vollblütig kapriziöse Jana Baumeister (ihre zweite, von der Bratsche «miterzählte» Arie, dramaturgisch fast ein Fremdkörper, ist vielleicht die bestrickendste «Nummer» der Partitur) und der als Max figürlich und darstellerisch frappierend agile, vokal bei durchaus solider Kraftentfaltung etwas eindimensionale Mark Adler.

Komplizierter steht es um die Würdigung der szenischen Arbeit an dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Hans-Klaus Jungheinrich

Weitere Beiträge
Was kommt...

Kopf frei machen!
Von Verantwortung weiß sie ein Lied zu singen – aus eigener Bühnenerfahrung und als Gesangsprofessorin. Analytisches Fingerspitzengefühl fordert Michelle Breedt im Interview. Von Sängern, Musikern und Dirgenten, von Studenten wie Lehrern.

Alle Jahre wieder ...
... warten die Sommerfestivals mit neuen Produktionen auf. Auf den Grünen Hügel zieht es...

Von Hass und Rache zerrissen

Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé...

Tanzend ins Nichts

Ein Adliger schwängert ein Bauernmädchen und lässt es dann sitzen. Drei Akte lang hofft die Verlassene auf seine Rückkehr, doch als sie Zeugin seiner Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut wird, stürzt sie sich von einem Felsen. Gerade erst hat Regisseur Michael Sturm Stanislaw Moniuszkos 1858 uraufgeführte «Halka» am Pfalztheater Kaiserlautern vorsichtig...