Farbiges Kaleidoskop

Die rekonstruierte Urfassung von Hartmanns «Simplicius» in München

Die Werkgeschichte von Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nach dem Roman von Grimmelshausen ist nicht ganz unkompliziert: Dem Werk von 1935/36 fügte Hartmann 1939 noch eine ausgedehnte Ouvertüre hinzu. Aber erst 1948 konnte unter dem ursprüng­lichen Titel «Des Simplicius Simplicissimus Jugend» im Bayerischen Rundfunk die konzertante Uraufführung stattfinden, ein Jahr später die szenische in Köln. 1957 zeigte Mannheim eine zweite Fassung.

Hierfür komponierte Hartmann die Dialoge als litaneiartige Rezitative und erweiterte den Orchesterapparat mit Harfe und zusätzlichem Schlagwerk. Er komprimierte die Handlung von sechs auf drei Bilder und ergänzte sie um eine – in der Partitur ausdrücklich Apotheose genannte – Wiederherstellung eines paradiesischen Urzustands. Außerdem verband er den ers­ten und zweiten Teil mit einem Zwischen­spiel, das sich auf die Ouvertüre bezieht, Bachs Choral «Nun ruhen alle Wälder» zitiert und eine Rezitation des berühmten Gryphius-Gedichts «Die Thränen des Vaterlands» vorsieht.
Meist spielten die Theater seither diese Version letzter Hand – allerdings oft in einer vom Schott-Verlag 1965 veröffentlichten «reduzierten Fassung». Erst mit der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Magazin, Seite 21
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Intention des Autors sichtbar machen

Herr Stein, Sie haben vor zehn Jahren in Amsterdam «Moses und Aron» von Arnold Schönberg inszeniert. Nun sind Sie für eine neue Produktion von Hans Werner Henzes «The Bassarids» an De Nederlandse Opera zurückgekehrt. Beide Werke verhandeln fundamentale philosophische Gegensätze. Haben Sie eine Vorliebe für solche Konfrontationen?
Theater handelt immer von...

Gluck light

«Einstweilen (...) singe ich unter anderem gar oft und mit unaussprechlichem Vergnügen die Partie des Oedib in der Musik von Sacchini. Sie ist bei uns (in Berlin) gegeben worden, wie man mir gesagt hat, und hat wenig Beyfall gefunden; gewiss nur bey denen, die es nicht verstehen, innere Schönheiten eines Kunstwerkes durch eine fehlerhafte Exekution durchzufühlen;...

Radikale Seelenschau

Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substan­ziell gefährden würde,...