Familienbande
Unterwegs in Londons «Tube» – nach der Premiere von Mozarts «Idomeneo» an Covent Garden – bleibt unser Blick zufällig an einem kuriosen Plakat hängen, einer Werbung der «London Sperm Bank». Wie Pappkameraden sind die Silhouetten von Männern aufgereiht, jeder mit einem Label: teacher, actor, model, lawyer etc. Samenspender zum Ankreuzen; Nachwuchs-Design ohne Feindberührung.
Wir erlauben uns ein Gedankenspiel: Was, wenn die Mutter des Idamante eine solche Wahl treffen und eine Schießbudenfigur mit dem Titel «König» hätte ankreuzen können, Idomeneo als Spender aber anonym geblieben wäre? Nie hätte der Herrscher auf Kreta gewusst, dass der Junge sein Sohn ist. Das von ihm mit Neptun für die Rettung aus Seenot verabredete Opfer wäre ohne Skrupel vollzogen worden, auch die Kreter hätten nicht gemurrt, die alte, vermeintlich gottgewollte Ordnung wäre intakt geblieben. Und wir wären um eine der schönsten – und wohl auch schwierigsten – Opern gebracht worden. Hätten natürlich auch die neue Realisierung an der Royal Opera durch Marc Minkowski und Martin Kusej nicht miterlebt. Und wären nicht mit gemischten Gefühlen rausgegangen.
Kusej, Chef des Münchner Residenztheaters, gab mit dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Gerhard Persché
Alfredo Catalanis 1892 an der Scala uraufgeführte Oper «La Wally» ist auf deutschen Bühnen selten zu erleben – zu Unrecht, wie die Mannheimer Aufführung beweist. Die Handlung mutet zwar auf den ersten Blick konventionell an, aber der wie Puccini aus Lucca stammende, früh verstorbene Catalani und sein Librettist Luigi Illica geben der Dreiecksgeschichte einer Frau...
Aus den spiegelglatten Wassern des Planeten Solaris ragt eine zerschossene, bröckelnde Teleskopschale empor. Zu den ersten tastenden Klängen von Detlev Glanerts «Solaris» erhebt sich darin ein Mann und gibt sich die Todesspritze. Dieser (nicht singende) Gibarian ist das erste Opfer auf der Raumstation, auf der sich nicht nur Forscher und Abenteurer tummeln, sondern...
Zugegeben: Nach Säen und Ernten in den Randlagen, dort, wo das bunte, wilde Premieren-Repertoire sprießt, sieht das nicht aus. Zwischen «Tristan» und «Vogelhändler» hat Regensburg seinen neuen «Rigoletto» gepackt, die Salzburger Landestheater-Kollegen bringen ihn zwischen «Zauberflöte» und «Weißem Rössl» – was dort das Blockbuster-Sandwich komplett macht. Den...
