Fähnchen in der deutschen Opernlandschaft

Die Musiktheaterakademie der Deutsche Bank Stiftung

«Können einem toten Mann nicht helfen» – ob Bertolt Brecht mit seinem Kampfruf aus «Mahagonny» auch das Handlungs- und Literaturtheater meinte? Immerhin hat es sich auch nach dem Krieg, in Opern von Hans Werner Henze bis zu Christian Jost, als erstaunlich lebensfähig erwiesen. Daneben aber entstand, vor allem an experimentell gesonnenen Häusern oder auf Festivals wie der Münchener Biennale ein anderer Typ von Musiktheater, der auf Materialschichtung, wechselnde Erzählperspektiven, diskontinuierliche Wahrnehmung und stilistische Unreinheit setzt.

Auf vorgeschobenem Posten steht dabei die Idee, dass Theater überhaupt nicht mehr nur von einem Komponisten/Librettisten/Regisseur zu verantworten sei, sondern im Kollektiv entstehen müsse, am besten von Anfang an.

Man muss im Einzelfall darüber diskutieren, ob die Ergebnisse solcher Kollektivarbeit theatralisch befriedigend sind. Dass man darüber diskutieren muss, fanden jedenfalls die Initiatoren des Projekts «Akademie Musiktheater heute», das von der Deutsche Bank Stiftung jährlich mit einem sechsstelligen Betrag ausgestattet wird. «Unsere Vision ist es, dass Musiktheater lebendig bleiben soll und auf den jeweiligen Stand der Technik, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Apropos ... Wagner-Jahr: Michelle Breedt

Frau Breedt, in Bayreuth debütieren Sie in einem kontrovers diskutierten «Tannhäuser». Hat der Regisseur Sie überzeugt?
Ich fühle mich, da ich in einer bestehenden Inszenierung debütiere, wie in einem «Tannhäuser»-Schnellkochtopf. Regisseur Sebastian Baumgarten hat auf jede Frage eine nachvollziehbare Antwort. Seine Arbeit zu bewerten, ist nicht meine Aufgabe. Ich...

Cavalieris «Rappresentazione di Anima et di Corpo» in Berlin

Schwarz ist Achim Freyers Welttheaterbühne, und schwarz sind die allegorischen Menschenwesen, die er im Schiller Theater, dem Ausweichquartier der Berliner Staatsoper, versammelt hat. Lebende Schachfiguren, die auf schräger Ebene Schicksal spielen. Es geht, wie (fast) immer bei diesem Kunstpriester mit der staunenden Kinderseele, um letzte Dinge: Himmel und Hölle,...

Zweiter Anlauf

Die Sache lässt ihn einfach nicht los. Was tun mit Monteverdis perfide schillernder «Poppea»? Wie sollen wir es halten mit einem Stück von Shakespeare’schem Format, das nur skizzenhaft, in zwei unterschiedlichen Manuskripten (Venedig und Neapel) überliefert ist und vermutlich mindestens drei weitere Autoren (Cavalli, Ferrari, Sacrati) hat? Schon einmal, gegen Ende...