Etikette und Witz

Bilanz des Purcell-Jahrs auf DVD: «Dido and Aeneas» aus London, «King Arthur» aus Montpellier

Als im März 2009 am Royal Opera House erstmals die Neuproduktion von «Dido and Aeneas» über die Bühne ging, dürften die Erwartungen besonders hoch gewesen sein: Schließlich war diese Inszenierung ein zentraler Bestandteil der Festivitäten, mit denen England den 350. Geburtstag seines Nationalkomponisten Henry Purcell beging. Dass man die Regie dem Choreografen Wayne McGregor anvertraute, deutet auf eine Orientierung an kontinentalen Trends.

Dort hatte zuletzt Sasha Waltz bei ihrem Operndebüt vorgeführt, wie sich in Purcells Minioper Gesang und Tanz zu einer ebenso bildmächtigen wie poetischen Einheit verschmelzen lassen.
Gegenüber der Waltz-Fassung, die das Original durch Tanzeinlagen und Endlosschleifen-Ritornelle auf abendfüllende Länge gestreckt hatte, bleibt der britische Jubiläumsbeitrag konventioneller. McGregor verändert nichts an der Musik, und anders als bei Waltz wird den Tänzern des Royal Ballet lediglich eine dekorative Funktion zugewiesen. In ihren knappen Leibchen zeigen sie zu den Tanzeinlagen Ballettsaal-Posen von ausgezirkelter Gelenkigkeit. Schön anzusehen, aber verzichtbar. Sonst konzentriert sich McGregor in edel-minimalistischer Bob-Wilson-Ästhetik ganz auf die ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/CDs/DVDs, Seite 28
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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