«Es muss genau sein»

Vor gut fünfzig Jahren hat sie erstmals ein Bühnenwerk inszeniert, Igor Strawinskys «Geschichte vom Soldaten». Und schon damals setzte Christine Mielitz auf das goldene Handwerk des Regieführens als Basis ihrer nachschöpferischen Arbeit. Ein Gespräch über Traditionen, richtige und falsche Frauenbilder sowie den Sinn und Unsinn von Aktualisierungen

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Frau Mielitz, Sie haben Ruth Berghaus, deren Inszenierung von Rossinis «Il barbiere di Siviglia» von 1967 nach wie vor auf dem Spielplan der Berliner Staatsoper steht, noch gekannt. Was haben Sie von dieser Frau gelernt oder auch nicht gelernt?
Ich habe es immer als großes Privileg empfunden, schon während meines Studiums Ruth Berghaus, Harry Kupfer, Joachim Herz , Walter Felsenstein und dem damals noch sehr gegenwärtigen Geist Bertolt Brechts begegnet zu sein.

Mein Vater war Geiger und ich hatte eine bestimmte musikalische Prägung, aber keinerlei szenische Vorbildung. Die 11. und 12. Klasse absolvierte ich auf der Spezialschule für Musik, dem heutigen Carl Philipp Emanuel Bach-Gymnasium, einer Einrichtung für alle jungen Leute, die singen, springen, spielen und tanzen wollten. Plätze für angehende Regiestudenten gab es noch nicht, aber ich wurde freundlich geduldet. Nach dem Abitur habe ich sofort angefangen, an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Regie zu studieren. Auch der Studiengang Regie war noch sehr jung. Ich hatte Gelegenheit, beide großen Opernhäuser Ost-Berlins und das Berliner Ensemble zu besuchen. So entstand für mich ein Cocktail aus der angebotenen geballten ...

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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Christine Mielitz, Seite 130
von Jürgen Otten

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