Erkennst du ihn?
Richard Wagners «Parsifal» verlangt nicht das innovative, blechgepanzerte Orchester des «Rings» und keine konditionell grenzwertigen Gesangspartien à la Brünnhilde und Siegfried. Dennoch ist das «Bühnenweihfestspiel» mit seinem charakteristisch tiefgelegten Klang aus Streicher-Chiaroscuro und dominanten Männerstimmen (auch im Chor) ebenso offensichtlich für hochspezialisierte Fachkräfte geschrieben, wie man sie zu Wagners Zeiten nur an den großen Hofopern und eben in Bayreuth zur Verfügung hatte.
Was daran erinnert, dass Wagner die Festspiele auf dem Grünen Hügel mit ihren handverlesenen Ensembles nicht (nur) aus Größenwahn, sondern vor allem aus Unzufriedenheit mit den unzulänglichen Aufführungen der zeitgenössischen «Provinzbühnen» gründete.
Mittlerweile aber hat sich das Niveau der zweiten und dritten Häuser im Lande durch das internationale Musiker- und Sängerangebot so gesteigert, dass auch die großen Wagner-Dramen längst nicht mehr als «zwangvolle Plage» und belächelter Renommierakt für städtische Honoratioren erscheinen. Sicher sind die Anstrengungen für ein mittelgroßes Theater grenzwertig: Um Gäste für die großen Partien kommt man nicht umhin, das Orchester muss für ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Michael Struck-Schloen
Ein Mann. Er schläft. Liegt, friedlich und scheinbar tiefenentspannt, in Morpheus’ Armen und träumt sich seine Welt zurecht, während aus dem Graben heraus, in höchstmöglicher Transparenz und Trennschärfe, das Vorspiel dieser romantischen Oper an ihm vorübergleitet. Je mehr sich die Musik in einen rauschhaften Zustand hineinsteigert, umso stärker wird auch der auf...
Dass das Melodram «ein Genre von unerquicklichster Gemischtheit» sei (wie Richard Wagner anmerkte), «in welchem sich die Musik vom gesprochenen Worte spröde sondert, wie Öl und Wasser und eine Kunst die andere beeinträchtigt» (wie Eduard Hanslick ergänzte), war wohl einer von wenigen Punkten, über die sich der Zukunftsmusiker und sein rabiatester Kritiker hätten...
Kann das gut gehen? Nicht irgendeine, sondern die dänische Nationaloper als Produktion mit deutscher Textfassung auf die Bühne zu bringen? Und das so, dass der eigentümliche Wortwitz des Originals in der paarreimenden Übertragung gewahrt bleibt? In Leipzig, bei der Premiere von Carl Nielsens «Maskarade», stellt sich die Frage nach dem glücklichen Gelingen in einem...
