Erinnerung und Erneuerung
Ich bin ein frommer Mensch. Ich komme von der Kirchenmusik», sagt Thomas Daniel Schlee und schaut zum wolkenverhangenen Kärntner Himmel auf, als die ersten dicken Tropfen fallen. Sollte der Herrgott da oben etwa schon wieder die Schleusen öffnen? Einmal mehr sintflutartige Niederschläge schicken, die den Ossiacher See fast zum Überlaufen brachten – und das mitten im Juli? Das Wetter war ihm in diesem Jahr wahrlich nicht hold, dem Intendanten des Carinthischen Sommers. Aber was soll’s.
Ein Mann wie Schlee verschwendet seine Energien nicht an Dinge, auf die der Mensch ohnehin keinen Einfluss hat. Ein bisschen Demut vor der Schöpfung, vor den Rhythmen der Natur hält den Kopf frei für das Wesentliche. Zum Beispiel für die spirituelle Dimension der Musik, für jene hypnotische, unbegreifliche Qualität des Klanglichen, die uns mitunter trifft wie ein Blitz.
Vielleicht rührt diese scheinbar naive, ehrfürchtige, kindlich-neugierige Haltung von der Begegnung mit Olivier Messiaen, bei dem Schlee Komposition und Orgel studierte, als dieser gerade an seiner monumentalen Opernhymne zu Ehren des «Saint François d’Assise» arbeitete. Dieser siebte Sinn für das Einfache im Komplexen, für das Klare ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Jubiläumsjahr 2006 wollen die Salzburger Festspiele alle zweiundzwanzig Mozart-Opern szenisch aufführen. Die großen Stücke werden von den Festspielen selbst produziert. «Don Giovanni» und «La clemenza di Tito», von Martin Kusej inszeniert, liegen schon vor. In Herrmann-Inszenierungen existieren bereits «Così fan tutte» und, noch aus der Mortier-Ära, «Idomeneo»....
Wer Robert Dean Smith nicht bei seinem Tristan-Debüt in Bayreuth und auch nicht im Rundfunk erlebte, kann dies nun auf der bei Oehms Classics erschienenen Best-of-CD nachholen. Dass das Vergnügen nicht so ungetrübt ist wie auf der Festspielbühne, liegt einerseits daran, dass sich die Stimme in der Bayreuther Akustik leuchtender entfaltete, dort wie die von James...
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
