Erinnerung: Eine Primadonna, keine Diva

Zum Tod von Joan Sutherland

Joan Sutherland war nur knapp drei Jahre jünger als Maria Callas. Trotzdem begann ihr Stern erst zu strahlen, als der ihrer Kollegin und Rivalin im Sinken begriffen war. Am 17. Februar 1959 gelang ihr der Durchbruch ausgerechnet als Lucia di Lammermoor. Binnen weniger Jahre eroberte sie mit Partien, die zur Domäne der Callas gehört hatten, die internationalen Bühnen. Mehr noch: Trotz starker Konkurrentinnen wie zunächst Montserrat Caballé und später Edita Gruberova galt ihre Position als führende dramatische Koloratur­sopranistin der Welt bis weit in die 1980er Jahre als unangefochten.



Joan Sutherland ließ ihre Karriere behutsam angehen. Nach einer sängerischen Grundausbildung in ihrer australischen Heimat kam sie 1951 nach London und setzte ihre Studien am dortigen Royal College of Music fort. Seit 1952 war sie am Royal Opera House Covent Garden engagiert, an dem sie über mehrere Jahre hinweg vor allem in kleinen Rollen beschäftigt wurde, hin und wieder aber größere Aufgaben übernehmen durfte, bis man ihr zutraute, unter der umsichtigen Führung von Franco Zeffirelli und Tullio Serafin als Lucia in den Rang einer Primadonna aufzusteigen.

Internationales Aufsehen erregte Sutherland ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Thomas Seedorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was heißt Stütze?

Über «Stütze» wird unter Sängern und Gesangspädagogen rege diskutiert, obwohl der Begriff alles andere als klar definiert ist, was sich schon darin zeigt, dass verschiedene Sprachen für denselben Vorgang unterschiedliche Begriffe verwenden (z.B. appoggio im Italienischen, soutien im Französischen und support im Englischen), Begriffe, die jeweils unterschiedliche...

Im Dickicht der Müllhalden

Der spanische Filmregisseur Carlos Saura drehte 1972 den Spielfilm «Ana y los
lobos» («Anna und die Wölfe»): Ein englisches Kindermädchen, gespielt von Charlie Chaplins Tochter ­Geraldine, kommt auf einen großbürgerlichen Familiensitz; dort gebietet eine Matriarchin über drei Söhne, schwach und ihren Obsessionen verfallen. Der eine hat ein abstruses Faible fürs...

Im Focus der Ausgabe Dezember 2010

1979 wurde die dreiaktige Fassung von Alban Bergs «Lulu» an der Opéra de Paris uraufgeführt, vervollständigt von Friedrich Cerha. Eine Sensation damals. Trotzdem ist die Kritik am dritten Akt seitdem nicht verstummt. Überfrachtet, schwer durchhörbar, eben doch nicht wirklich Berg, hießen – pauschal zusammengefasst – die Einwände. Sie galten weniger der Ergänzung...