Erinnern und Vergessen Im Raum der Klänge
Gedanken
Warum Musiktheater? Warum überhaupt komponieren? Immer wieder stellt sich mir diese Frage, wenn ich sprachlich auf Musik zugehe, auf ihre Geschichte und Gegenwart, ihre Rezeption und institutionellen Bedingungen. Und zugespitzt begegnet sie einem, wenn das Sujet selbst auf Sprache gründet, sie erzeugt und von ihr umgeben ist, wie es im Musiktheater der Fall ist. Auch ungeschriebene Opern sind bereits voll von Geschichten.
Doch das Komponieren will sich nicht in Worten begründen, selbst wenn sie die musikalische Idee kanalisieren und mit ihr verwoben bleiben.
Es ist dem Komponieren wesentlich, Sprache zu vergessen, indem eine Wahrnehmung umschlägt in eine musikalische Imagination. So will Musiktheater weder einen Text übersetzen noch erklären, sondern klingend einer Neugierde auf den Grund gehen, die sich auf der Schwelle zwischen außer- und innermusikalischer Wahrnehmung entzündet.
Das Ineinandergreifen von Raum- und Zeitwahrnehmung im Rahmen einer Handlung, die beide Ebenen untrennbar mit ihrem Inhalt zusammenführt – das mag ein zentrales Motiv gewesen sein, warum der Stoff der «Odyssee» mich nicht mehr losgelassen hat und ich dieser Faszination schließlich ...
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Ich scheine dafür prädestiniert zu sein, Opern zu schreiben, die nie aufgeführt werden.» Diesen Stoßseufzer seines Librettisten Johan Henrik Kellgren, der haarscharf voraussagte, was mehr als zweihundert Jahre danach noch immer Gültigkeit besitzt, hätte auch der Komponist Joseph Martin Kraus selbst äußern können. Immerhin ist das Mozart-Mega-Jahr 2006 zu einem...
Unter den deutschsprachigen Opernhäusern kommt Stuttgart seit den 1950er Jahren eine besondere Stellung zu. Walter Erich Schäfer, Generalintendant von 1950 bis 1972 und in all diesen Jahren sein eigener Operndirektor, hat das Haus am Eckensee früh zu einem Kristallisationspunkt des modernen Regietheaters gemacht – lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab....
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun...
