«Er wäre sicher ein Verdi des 20. Jahrhunderts ­geworden»

Mariss Jansons über Schostakowitsch, seine ­Symphonien und die «Lady Macbeth von Mzensk»

Herr Jansons, warum machen Sie so ­wenig Oper?
Vielleicht hat das mit meiner Geschichte zu tun: In Riga bin ich als Dreijähriger in der Oper aufgewachsen. Meine Mutter war Sängerin, mein Vater Dirigent an der Oper. Meine Eltern brauchten keinen Babysitter, denn ich war von früh bis nachts im Theater, ich kannte alles auswendig. Dann verschrieb sich mein Vater in St. Petersburg der Symphonik. Das war eine ganz andere Welt, seine Konzerte, seine Meisterklassen. Ab 1971 war ich selbst Assis­tent von Jewgeni Mrawinskij. Trotzdem habe ich in St.

Petersburg zwischen 1969 und 1994 – nebenher – «Figaro» gemacht, «Traviata», «Carmen», «Onegin». Doch ich lehnte ab, als ich als ganz junger Mann Chef des Mariinsky-Theaters werden sollte. Dass Sie mich nicht missverstehen: Ich hatte immer Hunger nach Oper, aber auch immer zwei Orchester zu betreuen: St. Petersburg – Oslo, Oslo – Pittsburgh, Pittsburgh – Bayerischer Rundfunk, jetzt BR und Concertgebouw: Ich hatte nie Zeit für Oper. Aber vielleicht hätte alles auch genau umgekehrt kommen können.

Was stünde einem Opern-Projekt pro Saison im Weg?
Ich habe 1996 wieder angefangen, ich hatte Engagements aus London, Brüssel, St. Petersburg. Ich hatte ...

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Opernwelt August 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
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