Entrückte Diva
Es mag sein, dass diese Frau etwas ganz anderes ist. Keine Untote, die durch die Zeitalter geistert, dabei «Hunderte Kinder» hinterlässt, wie sie selbst behauptet – und fast ebenso viele gebrochene Herzen. Irgendwann steigt Emilia hier die kleine Showtreppe hinauf, breitet den Reifrock aus wie das Gefieder eines prächtigen Vogels, umkränzt von einem Koronagitter. Und sichtbar wird: eine Ikone, eine zum anbetungswürdigen Denkmal stilisierte Diva, nicht mehr von dieser Welt, entrückt in eine surreale Dimension.
Sehr nachvollziehbar ist das bei einem Werk, das ja «nur» Historisches als Folie braucht, in Wahrheit aber um die großen Lebenssinnfragen kreist – und sich dabei gern auch in den eigenen Handlungsfäden verheddert.
Noch nie ist «Die Sache Makropulos» am Tiroler Landestheater aufgeführt worden. So ganz trauen sich die Innsbrucker nicht ans Original. Man spielt zwar die kritische Neuausgabe, die im Herbst 2014 erstmals in München zu hören war, aber in der neuen deutschen Übersetzung von Kerstin Lücker. Leos Janáceks Sprachmelodie wird da nachgespürt, vor allem aber gibt es ein paar Modernismen bis Flapsigkeiten: Das Konversationsstück wird vorsichtig ins Heute geholt – und ist ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Markus Thiel
Bereits Ende November wurde in Aachen bekannt, dass GMD Kazem Abdullah seinen 2017 nach fünf Jahren auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Diese Nachricht kommt überraschend und ohne Angabe von Gründen. Abdullah hat mit der Nachfolge des umtriebigen Marcus Bosch 2012 kein leichtes Erbe angetreten und konnte, vielleicht aufgrund seiner eher scheuen Art, die...
Es gibt Partituren, die nach ihrer Uraufführung vergessen werden, im Strudel der Gezeiten untergehen und am Ende nurmehr eine Fußnote wert sind. Umso hellhöriger wird man, wenn im ausgehenden 17. Jahrhundert selbst Jahrzehnte nach einer Premiere noch über deren sensationellen Erfolg berichtet wird. Mag dies der Kompilationssucht der Zeitgenossen geschuldet sein,...
Den Engländern kann man nicht trauen, was Humor betrifft. Ihr Sinn für denselben ist zwar weltberühmt, aber auch ein sehr spezieller. Jedenfalls nicht kompatibel mit dem der Franzosen – der Ansicht jedenfalls scheint Regisseurin Mariame Clément zu sein, die jetzt in Covent Garden die erste Aufführung von Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» auf der Insel...
