Entblößt, nicht befreit
Beim letzten Neustart gab es Verdi: den allerdunkelsten von allen. Doch «Macbeth», im Oktober 2008 von Martin Kušej inszeniert, bescherte der Intendanz von Nikolaus Bachler einen holprigen Beginn. Und das nicht allein, weil der später aus dem Haus gedrängte GMD Kent Nagano übergangen wurde und Gast Nicola Luisotti dirigierte. Sondern auch, weil sich schon damals das Grundproblem dieser neuen Phase abzeichnete: Regisseure und Stücke sollten in München fortan nur bedingt zusammenpassen.
Dunkelheit und Trostlosigkeit nun auch 13 Jahre später.
Und eine Wut und Wildheit, die ortsübliche Kulinariker zwar verstört, aber kein einziges Buh ausstoßen lässt. Denn, ob bewusst oder nicht, verstanden wird: Hier, bei Schostakowitschs «Nase», greift plötzlich und ungewohnt alles ineinander. Da ist einmal ein Bühnengeschehen, das vom zwar nicht mehr inhaftierten, aber ohne Pass an Russland gefesselten Kirill Serebrennikov als gallige Abrechnung mit seiner Heimat ferninszeniert wird. Und andererseits das dazu symbiotische Geschehen im Graben, wo der neue Chef Vladimir Jurowski waltet. Der fordert zwar Präzision und Wendigkeit ein wie Vorgänger Kirill Petrenko, versteht sich aber bei Schostakowitschs ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel
Ein Sturm fegt durchs altehrwürdige Opernhaus von Hannover. Doch nicht einem Shakespeare’schen Naturereignis von Prosperos und Ariels Gnaden gleicht die Ouvertüre von Verdis «Otello». Es ist der (von Philipp Contag-Ladas auf die Rückwand projizierten Bildern noch zusätzlich aufgeladene) Lärm des Kriegs, der sich hier Bahn bricht. Gewitterblitze zucken,...
Ein Mensch, allein wie weiland Ariadne auf Naxos, fremd geworden unter Menschen, nach Heimat suchend unter Tieren und Pflanzen. Vermag ihm die Natur zu antworten oder nicht? Für diese zwiespältige Erfahrung halten viele musikalische Werke eine starke Übersetzung bereit: den Dialog zwischen der menschlichen Stimme und einem Instrument, das, ebenso wie die Natur,...
Mit «Milde» lässt sich das Wort übersetzen, auch mit «Gnade» oder «Nachsicht». Die Augsburger sind, Italienisch-Kundige müssen stark sein, da etwas frei. «La clemenza di Tito» wird hier als «Laune» des römischen Imperators ausgelegt. Der ist auf der Bühne des Martini-Parks nicht immer Respektsperson, vielmehr ein großes Kind, ein aufbrausender, überforderter...
