Entblößt, nicht befreit

Kirill Serebrennikov deutet Schostakowitschs «Nase» als böses nihilistisches (Musik-)Theater an der Bayerischen Staatsoper München, Vladimir Jurowski manövriert sein Orchester cool durch die Wirrnisse der Partitur

Opernwelt - Logo

Beim letzten Neustart gab es Verdi: den allerdunkelsten von allen. Doch «Macbeth», im Oktober 2008 von Martin Kušej inszeniert, bescherte der Intendanz von Nikolaus Bachler einen holprigen Beginn. Und das nicht allein, weil der später aus dem Haus gedrängte GMD Kent Nagano übergangen wurde und Gast Nicola Luisotti dirigierte. Sondern auch, weil sich schon damals das Grundproblem dieser neuen Phase abzeichnete: Regisseure und Stücke sollten in München fortan nur bedingt zusammenpassen.

Dunkelheit und Trostlosigkeit nun auch 13 Jahre später.

Und eine Wut und Wildheit, die ortsübliche Kulinariker zwar verstört, aber kein einziges Buh ausstoßen lässt. Denn, ob bewusst oder nicht, verstanden wird: Hier, bei Schostakowitschs «Nase», greift plötzlich und ungewohnt alles ineinander. Da ist einmal ein Bühnengeschehen, das vom zwar nicht mehr inhaftierten, aber ohne Pass an Russland gefesselten Kirill Serebrennikov als gallige Abrechnung mit seiner Heimat ferninszeniert wird. Und andererseits das dazu symbiotische Geschehen im Graben, wo der neue Chef Vladimir Jurowski waltet. Der fordert zwar Präzision und Wendigkeit ein wie Vorgänger Kirill Petrenko, versteht sich aber bei Schostakowitschs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Heiter bis wolkig

Am ehemaligen Stammhaus seines vor 21 Jahren verstorbenen Lehrmeisters (dessen «Ring»-Deutung er ebendort ablöst) gibt sich Stefan Herheim auf den ersten Blick als gelehriger Schüler. Denn fast gebetsmühlenartig predigte Götz Friedrich seinerzeit den Studierenden, sie mögen doch bitte bei der Konzeption ihrer Inszenierungen unbedingt die drei dramaturgischen Zeiten...

Impressum Dezember 2021

62. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752350

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55

Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Arno Lücker, Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...

Nachtschwarz

Verdis «Don Carlos» ist immer eine vertrackte Sache. Entscheidender noch als die musikphilologisch exakte Befolgung einer wie auch immer authentischen «Ur»-Fassung ist die Wahl der Sprache. Da kommt man heute, will man sich ernsthaft auf die von Verdi gelegte Struktur des Werks einlassen, um das Französische (und damit um die fünfaktige Anlage) nicht mehr herum....