Endspiel
Selbstverständlich gibt es auch in dieser «Aida» eine Pyramide. Nur glüht nicht der güldene Sandstein. Es dominiert bühnenhohes Schwarzgrau. Ein Ascheberg, Ergebnis des Dauerrieselns durch die Löcher einer zerschossenen Decke. Ein monumentales Bild, das von Regisseur Damiano Michieletto bewusst nicht mit Action gefüllt wird. Hier herrscht Leere, Ausweglosigkeit, eine stille Verzweiflung aller Beteiligten, die einer ungewissen Zukunft entgegenbrüten, während draußen ein heutiger, nicht näher definierter Krieg das Land zermürbt und diese riesige Turnhalle fast zerstört hat.
Es ist die letzte Zuflucht für Ägyptens Volk: Das ist nicht mehr Verdi, eher Beckett.
Mit ihrer Anti-Klischee-Arbeit für die Bayerische Staatsoper bewegen sich Michieletto, Bühnenbildner Paolo Fantin und Carla Teti, die Alltagsklamotten und Uniformgrau beigesteuert hat, ganz im Common Sense für «Aida». Dieser Krieg, so suggerieren die Bilder, kennt keine Gewinner. Das Problem: Die Message teilt sich sehr schnell mit, der Abend kreist irgendwann um sich selbst – zumal Michieletto sein Konzept an Nebenfiguren, vor allem an Statisterie und Chor delegiert. Was die Katastrophe tatsächlich mit den Hauptfiguren macht ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel
Vergessen kann fatal sein. Wagners Siegfried etwa kostet vom Vergessenstrunk, den ihm Gutrune reicht – damit nimmt die Katastrophe in der «Götterdämmerung» unaufhaltsam ihren Lauf. Erst im Todeskampf wird er sich wieder erinnern, zu spät. Die spannende Frage, wohin ein Gedanke geht, wenn etwas vergessen wird – sie scheint nur Sigmund Freud interessiert zu haben....
Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum...
Entgegen der Erwartung lässt Regisseur Julien Chavaz Alices Reise durch das Wunderland (hier könnte das Stück auch «Alices Reise durch die bunt-psychedelische Wunderwelt» heißen) im Orchestergraben neben Dirigent Jérôme Kuhn beginnen. In einem rasanten Tempo – Komponist Gerald Barry verbindet in nur knapp 60 Minuten die Schlüsselmomente beider «Alice»-Bücher...
