Élan vital oder. Was bleibt von der 2006/2007?
Zahlen sind nicht alles. Sie bedürfen der Interpretation. Listen, Tabellen, Statistiken sind so gut (oder so schlecht) wie die Schlüsse, die man aus ihnen zieht. Auch die Zahlen, die der Deutsche Bühnenverein alljährlich zur Lage der Theater in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz veröffentlicht, machen erst Sinn, wenn man sie nicht nur beim Nennwert nimmt.
Die erfreulichste Botschaft der jüngsten Theaterstatistik 2005/2006: Die von vielen Aposteln des postmodernen Zeitgeistes gern tot gesagte und von immer mehr Politikern als (zu) teurer Luxus abgekanzelte Oper ist quicklebendig. Zumindest in der Bundesrepublik. Das belegen zum einen die Besucherkurven: Während das Publikum in den Sparten Musical, Operette und Schauspiel zurückging (allein das Sprechtheater verlor gegenüber der Saison 2004/2005 mehr als eine Viertelmillion Zuschauer), konnte das Musiktheater zulegen. Viereinhalb Millionen Menschen zog es in bundesweit 6780 Opernvorstellungen, die durchschnittliche Auslastung erreichte knapp dreiundsiebzig Prozent.
Dass eine solche Bilanz nicht vom Himmel fällt, versteht sich von selbst. Erfolge werden in der Ebene errungen, sie verdanken sich harter (nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Kehr, Sie sind seit 1996 für das Musiktheater der Schwetzinger Festspiele verantwortlich und haben dort eine «Schwetzinger Dramaturgie» übernommen, deren Philosophie darin besteht, jeden Sommer zwei Opern, die Ausgrabung eines vergessenen Werks und die Uraufführung eines Auftragswerks, im Schlosstheater zu präsentieren. Wie findet man solche Stücke wie...
Die Beziehung zwischen einem Intendanten und seinem Haus führt, nicht anders als bei Ehepaaren, manchmal zu einer seltsamen Form von Mimikry: Das Selbstverständnis eines Fünfhundert-Personen-Betriebs verdichtet sich dann, so kommt es einem vor, nicht nur in der Person des Chefs, sondern sogar in bestimmten Details seiner Kleidung. Die legendäre Lederweste Götz...
Medienerfolg als Krisensyndrom. Selten brachte es ein Opernhaus so rasch zu Schlagzeilenruhm in internationalen Zeitungen wie die Deutsche Oper mit dem sogenannten «Idomeneo-Streit». Doch damit nicht genug. Kurz darauf lief der «Jägerchor» in der Premiere des «Freischütz» seinem (Chef-) Dirigenten Renato Palumbo gnadenlos davon. Das verwackelte Ergebnis kursierte...
