Ekstasen, Farben – und alles fließt

Die erste Ausgabe der neuen Porträt-Reihe «Freiburger Variationen» ist dem Komponisten Rudi Stephan gewidmet

«Er stürzte sich über mich wie ein wildes, schönes Tier! Er knirschte sich in mich wie ein Blitz in blühenden Baum!» Chawa (=Eva) singt es, und sie singt von Adahm (=Adam), wie er sich einst gebärdete. Jetzt aber, laut Libretto bei Mondlicht und unterm Sternenhimmel, treibt sie es mit ihrem Sohn Chabel (=Abel), und den erschlägt sein Bruder Kajin (=Kain) mit einem Tannenstamm.

Sobald Chawa ihre hochdramatische Stimme erhebt und das Orchester einem kräftigen Paukenhieb ein gewaltiges Crescendo hinterdreinschickt, beginnt es im Instrumentarium «Elektra»-gleich zu toben, kommt ein urtümlicher Aplomb über uns, gehen die Wogen hoch und höher. Und Strauss-nah muten die vokalen Bögen auch im Folgenden an, wenn die hinreißende Sabine Hogrefe immer noch eins drauf setzt. Auch sanftere Entwicklungen birgt die Musik, manches satte Streicherteppichstück, kammermusikalische Inseln.

Der zweite Akt von Rudi Stephans Oper «Die ersten Menschen» bleibt indes zumeist eine stimmliche Materialschlacht, in der neben den imponierenden Gipfeltouren der Sopranistin vor allem Christian Voigt in der strapaziösen Partie des Chabel seine Fortschritte auf dem Weg zum klar formulierenden Heldentenor ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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