Eklektizismus und Eleganz

In Freiburg kommt Wolf-Ferraris «Schmuck der Madonna» zu neuen Ehren. Kirsten Harms entdeckt die Doppelbödigkeit des einst erfolgreichen Stücks

Opernwelt - Logo

Ermanno Wolf-Ferraris «Schmuck der Madonna» wurde 1911 in Berlin uraufgeführt und war sofort ein Erfolg. An der Metropolitan Opera in New York kam das Stück mit Maria Jeritza und Giovanni Martinelli heraus. Mehr war damals nicht drin. Und höher kam auch Puccini nicht hinaus. Eine späte Verismo-Oper? Zumindest teilweise. Neapel als Ort des Geschehens spricht dafür, ein betont folklorististisches Idiom, große Volksszenen. Auch die Mischung aus Bigotterie und rigider Sexualmoral, von Gottesdienst und Messerstecherei.

Und natürlich der Plot an sich: Maliella, ein zur jungen Frau gereiftes Findelkind, will ausbrechen aus der Enge des pflegemütterlichen Hauses. Gennaro, ein junger Schmied, neben dem sie als Stiefschwester aufgewachsen ist, will sie haben. Das will freilich auch der Mafiaboss Rafaele, zu dem sie sich erwartungsgemäß hingezogen fühlt und der ihr nicht die Sterne vom Himmel zu holen verspricht, sondern den Schmuck der ­Madonna für die erste Liebesnacht. Sex and Crime also oder genauer: Sex, Crime und Blasphemie.

Am Theater Freiburg, wo das Stück jetzt als Wiederentdeckung bejubelt wurde, geht der Vorhang über einem starken Bild auf: Inmitten eines leeren, durch den weißen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Kammerspiel

In Osnabrück ist der «Lohengrin» Stadtgespräch. Kein Zweifel, das kleine Stadttheater hat Wagners Oper bravourös gestemmt. Schon logistisch ist der Abend beeindruckend. Weil der Graben nicht ausreicht, ist das Orchester auf die Hinterbühne verbannt, und der auf 63 Sängerinnen und Sänger erweiterte Chor wird meist an die Seiten abgedrängt, ohne darum steif zu...

Schlamm, Blut und Tränen

Lange Zeit hatte Bohuslav Martinus «Griechische Passion» einen schweren Stand: 1957 von Covent Garden vor der Uraufführung abgelehnt, erfuhr das Werk gravierende Umarbeitungen, ehe es – erst nach dem Tod des Komponisten – 1961 in Zürich aus der Taufe gehoben wurde. Ein Renner ist das auf einem Roman von Nikos Kazantzakis basierende Stück immer noch nicht. Denn die...

Infos

JUBILARE

Ingeborg Hallstein kam 1936 in München zur Welt und erhielt ersten Gesangsunterricht bei ihrer Mutter, der Sopranistin und Gesangspädagogin Elisabeth Hallstein. Nach weiterem Gesangs- und Schauspielunterricht debütierte sie 1958 in Passau als Musette in Puccinis «La Bohème». Es folgten Engagements am Theater Basel und am Münchner Gärtnerplatztheater, bevor...