Eiskalt berechnend

Strauss: Salome Stockholm / Opernhaus

Im Februar 2013 hat Nina Stemme in ihrer Heimat Schweden ein furioses Debüt als ­Turandot gegeben (OW 4/2013). Im Dezember ist sie zurückgekehrt, um zum ersten Mal als Salome auf der Bühne der Königlichen Oper in Stockholm zu stehen. Spätestens seit der  Barcelona-Produktion von 2009 ist sie eine der ­gefragten Stimmen für die heikle und anspruchsvolle Partie und hat dies nun einmal mehr eindrucksvoll bestätigt.



Stemmes Salome ist keine verzogene Prinzessin oder männermordende Lolita, die aus Überdruss und Langeweile den Kopf eines Mannes fordert, der ihre Annährungsversuche zurückgewiesen hat. In Sofia Jupithers Inszenierung zeigt Stemme sie vielmehr als eine Frau, die unmittelbar betört von der Schönheit Jochanaans ist, ihn besitzen will und dieses Ziel eiskalt berechnend und mit stoischer Ruhe verfolgt. Sinnbild dafür ist der Schleiertanz: Anstatt den traditionellen Striptease aufzuführen, trägt sie Kriegsbemalung auf und muss hinnehmen, das sie von Herodes und seinem Hofstaat sexuell erniedrigt und missbraucht wird.

Dafür bekommt sie am Schluss nicht nur den Kopf, sondern den gesamten, halbnackten Körper des exekutierten Propheten. Halb Schmerzensmutter, halb Liebhaberin, hält ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Andreas Bücker

Weitere Beiträge
Purcell im Mädchenpensionat

Eine marktwirtschaftliche Form von Naivität liegt «Didos Geheimnis» zugrunde. Der Mannheimer Instrumentationsprofessor Andreas N. Tarkmann, bekannt für Kadenzen und Arrangements für Sabine Meyer, Albrecht Mayer, Plácido Domingo oder Anna Netrebko, komponierte die Kammeroper 2011 im Auftrag des Mädchenchores Hannover. Entsprechend fasslich ist die in...

Das radikal Andere

Die Künstleragenturen waren zunächst perplex, als Dirk Löschner, der Intendant des Theaters Vorpommern, für seine Inszenierung von Richard Wagners Schwanenrittermär einen «asiatischen Lohengrin» suchte. Er hat ihn aber bekommen: Der Koreaner Junghwan Choi meisterte die Premiere in Stralsund mit einem ebenso kräftigen wie überaus klangschönen Tenor. Bei Löschner...

Ein wunderbares Missverständnis

Herr Spering, wie sind Sie auf die Idee  gekommen, Wagners «Iphigenia»-Version aufzunehmen?
Ich stöbere schon immer sehr gern in Musikantiquariaten. Eines Tages stieß ich auf Noten, die mich sofort elektrisierten. Auf dem Deckblatt stand: Christoph Willibald Gluck, «Iphigenia in Aulis», in der Fassung von Richard Wagner. Beim Blättern stellte sich heraus, dass es...