Einzelkindschicksal

Tschaikowsky: Iolanta
DESSAU | ANHALTISCHES THEATER

Opernwelt - Logo

Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der Überversorgung von Privatpatienten; jedenfalls wird das Mädchen stationär erstklassig betreut, will doch ihr Vater, König René, vor der Welt und ihr selbst geheimhalten, dass sie blind ist.

Im Original dient ein paradiesischer Schlossgarten als ihr kommodes Gefängnis. Der ist, umgeben von Eisengittern und ausgestattet mit hypertroph blühenden Rosen, auch in Dessau zu sehen. Von märchenhafter Phantastik keine Spur, tendiert die Ausstattung – wie üblich bei solchen Vorlagen – auch hier in Richtung Kindergarten. Dass dadurch die musikalische Aussage banalisiert wird, scheint niemanden ernsthaft zu kümmern. Selbst wenn ein Darsteller der Lächerlichkeit preisgegeben wird wie Graf Vaudémont in seinem orangefarbenen Astronautenanzug – was soll’s, Hampelmänner sind doch immer lustig anzusehen. Glücklicher handhabt die Regie ein anderes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Rausch der Verwandlung

Luigi Rossis 1647 für den französischen Hof komponierter «Orfeo» bricht alle Rekorde. Allein 23 Solisten listet das Personenverzeichnis auf, und eine Spieldauer von sechs Stunden stellt selbst redselige spätere Gesamtkunstwerker wie Wagner oder Stockhausen in den Schatten. Rossis Librettist Francesco Buti erweitert die tragische Handlung um den mythischen Sänger...

Impressum Dezember 2021

62. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752350

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55

Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Arno Lücker, Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...

Entblößt, nicht befreit

Beim letzten Neustart gab es Verdi: den allerdunkelsten von allen. Doch «Macbeth», im Oktober 2008 von Martin Kušej inszeniert, bescherte der Intendanz von Nikolaus Bachler einen holprigen Beginn. Und das nicht allein, weil der später aus dem Haus gedrängte GMD Kent Nagano übergangen wurde und Gast Nicola Luisotti dirigierte. Sondern auch, weil sich schon damals...