Einzelkindschicksal

Tschaikowsky: Iolanta
DESSAU | ANHALTISCHES THEATER

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Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der Überversorgung von Privatpatienten; jedenfalls wird das Mädchen stationär erstklassig betreut, will doch ihr Vater, König René, vor der Welt und ihr selbst geheimhalten, dass sie blind ist.

Im Original dient ein paradiesischer Schlossgarten als ihr kommodes Gefängnis. Der ist, umgeben von Eisengittern und ausgestattet mit hypertroph blühenden Rosen, auch in Dessau zu sehen. Von märchenhafter Phantastik keine Spur, tendiert die Ausstattung – wie üblich bei solchen Vorlagen – auch hier in Richtung Kindergarten. Dass dadurch die musikalische Aussage banalisiert wird, scheint niemanden ernsthaft zu kümmern. Selbst wenn ein Darsteller der Lächerlichkeit preisgegeben wird wie Graf Vaudémont in seinem orangefarbenen Astronautenanzug – was soll’s, Hampelmänner sind doch immer lustig anzusehen. Glücklicher handhabt die Regie ein anderes ...

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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Volker Tarnow

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