Einführung mit Einfühlung
Auf dem Cover eine frech-barocke Heroine: Das lässt auf lebendigen Inhalt schließen – und die Erwartung erfüllt sich. Selten wird Wissen, oft auch Grundlagenwissen, zur Oper so farbenfroh dargeboten wie in diesem Taschenbuch.
Ein erster Abschnitt klärt Basisfragen: Aus was besteht Oper und wie ist sie gemacht? Ab dem zweiten Abschnitt geht es ins Detail: Welches sind die Teil-Künste, die sich im Laufe der Jahrhunderte wandelnden Erscheinungsformen, was sind die behandelten Stoffe, welches die Schwerpunkte, wer schuf die markantesten Werke? Über Fragen des Gesanges, der Bühnentechnik, der Rezeptionsgeschichte, des Organisatorischen, Finanziellen, Rechtlichen und Soziologischen wird auch dem Politischen genügend Raum gewährt, das mit dem Medium Oper seit den Anfängen um 1600 verbunden war. Aktuellste Regiekonzepte und mediale Hilfsmittel kommen ebenfalls zur Sprache, um die «alte Tante» Oper mit dem Heutigen zu verknüpfen.
Das ist ein gewaltiges Programm, und man fragt sich, wie dies in ein derart überschaubares Format passt. Oft sind die Fragen so formuliert, dass sie sich logisch nacheinander ergeben und themenübergreifend weiterführen. Der Stil ist kurzweilig, oft emotional ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Ulrich Drüner
Die Straßburger «Salome» hat noch gar nicht angefangen, schon sind wir mittendrin. Während das Publikum sich in der Opéra national du Rhin einfindet, streichen drei sehenswerte Grazien in geschlitzter Abendrobe einen Jüngling im Slip mit tiefroter Farbe an. Tiefrot sind auch die gewaltigen Flügel, die er umgehängt bekommt, mit denen er später, des knappen...
Manchmal, meist unerwartet, passiert das. Die Welt hält inne. Hört nur noch nach innen, lauscht dem feinen Wispern der Seelen, das der Lärm draußen für gewöhnlich übertönt. Das fis-Moll-Duett «Io t’abbraccio» könnte ein solcher Moment sein. Kaum ein Stück Händels ist derart zerbrechlich wie dieses «Larghetto». So berührend schön in seinem Schmerz. Zwei Liebende...
Der knapp zwei Jahrzehnte ältere «Palestrina» von Hans Pfitzner inkorporiert eigentlich eher die Grünewald’sche Flügelaltar-Gestalt. Aber eine deutliche Zeitspanne nach dem Ersten Weltkrieg war ein symmetrisch gebauter Dreiakter auch als Wagner-Reminiszenz obsolet. Hindemiths «Mathis der Maler» ähnelt also mehr dem offeneren dokumentarischen Stil von Mussorgskys...
