Eine Welt erschaffen
Sie sind der Mann für besondere Opernfälle. Wünscht man sich eine solche Position oder rutscht man da hinein?
Ich bin sehr früh mit außergewöhnlichem Repertoire in Berührung gekommen. Schon unter meinen ersten Engagements als Solist waren Uraufführungen. Doch ich sagte mir: Du musst unbedingt eine normale Mainstream-Karriere machen. Mit Festengagement und allem. Das hat ja viel mit Psychologie zu tun. Ich dachte immer, ich müsse mir mit dem üblichen Weg beweisen, dass ich ein vollwertiger Sänger bin.
In meinem damaligen Denken war eine internationale Karriere gar nicht vorstellbar. In dieser Phase habe ich intensiv an meiner Persönlichkeit gearbeitet. Und mit der Zeit ist dieser Zwang von mir abgefallen. Ich merkte: Das moderne Repertoire ist das, was ich schwerpunktmäßig machen will. Mozart und all die anderen Komponisten haben schließlich immer für die Sänger ihrer Zeit geschrieben. Und ein solches Privileg wird nun mir zuteil. Abgesehen davon: Mozart würde lachen, wenn er sehen könnte, wie gering der Anteil zeitgenössischer Werke in den Opernspielplänen ist.
War der Mainstream also mit Frust verbunden?
Ich war bei den Regensburger Domspatzen. Die extreme Disziplin hat einen ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Interview, Seite 38
von Markus Thiel
Lange Zeit hatte Bohuslav Martinus «Griechische Passion» einen schweren Stand: 1957 von Covent Garden vor der Uraufführung abgelehnt, erfuhr das Werk gravierende Umarbeitungen, ehe es – erst nach dem Tod des Komponisten – 1961 in Zürich aus der Taufe gehoben wurde. Ein Renner ist das auf einem Roman von Nikos Kazantzakis basierende Stück immer noch nicht. Denn die...
Glückliches Kiel: Nicht einmal zwei Jahrzehnte sind seit dem letzten «Ring» vergangen, da bietet das Opernhaus seinem Publikum schon eine neue Inszenierung des Zyklus an. Wobei die jetzt im Entstehen begriffene Version – das zeichnet sich nach den Premieren der ersten beiden Teile ab – einen interessanten Kontrast zur vorigen bildet.
Kirsten Harms hatte die vier...
Es ist das alte Lied. Als die Salzburger Festspiele im August 2000 Kaija Saariahos erste Oper auf die Bühne brachten, kochte eine kapitale Kontroverse hoch. Als esoterischen Klangkitsch kanzelten nicht wenige Beobachter «L’Amour de loin» ab, als kunstgewerbliches Machwerk über den Topos der verbotenen Liebe in mittelalterlicher Troubadour-Lyrik, das wie eine...
