Eine Klasse für sich

Melanie Diener über Geschlechterrollen, starke Frauen und Image-Verweigerung

An der Berliner Staatsoper Unter den Linden haben Sie gerade Ihr Rollendebüt als Janáˇceks Katja Kabanova gegeben – mit einem Regisseur, Michael Thalheimer, der vorher noch nie eine Oper inszeniert hat. Wie verliefen die Proben?
Sehr ungewöhnlich. Spannend. Thalheimer hat eine neue Form des Ausdrucks gesucht. Neu zumindest für die Oper. Es ist eine ganz eigene Personenführung. Die Bewegungen sind relativ reduziert, dabei aber sehr intensiv, markant und spannungsgeladen in den Konstella­tionen und Konfrontationen.

Das muss man aushalten, man muss konsequent bleiben! Thalheimer hatte eine ganz genaue Vorstellung von dem Stück, er wuss­te genau, was er wollte. Er ließ uns anbieten und übernahm davon Sachen, die in sein Konzept passten. Ansonsten gab er uns eine Richtung vor. Ich empfand das als sehr angenehm. Und sehr musikalisch. Er hat ja früher mal Schlagzeug in einer Band gespielt.

Die Kostelnicka und Emilia Marty gelten als die starken Frauenfiguren Janáˇceks; Jenufa und mehr noch ­Katja wirken im Vergleich dazu oft schwach, als bloße Opfer. Wie stark ist Katja?
Ich denke, dass sie für sich sehr stark ist. Sie hat viele Facetten, viele Farben. Sie wehrt sich, sie emanzipiert sich. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Interview, Seite 38
von Jochen Breiholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jahrhundert der Probeläufe

Das Spektrum ist groß. Immens groß. Es reicht von Loïe Fullers innovativem Tanz um 1900 bis zu dessen Vereinnahmung durch das Video, von Hindemiths Ein­aktern bis zu modernen Blinden- und Gerhörlosenstücken. Das experimentelle Musik- und Tanztheater des 20. Jahrhunderts auf knapp 400 Seiten zu einer Art Handbuch zu verknappen, ist so schwierig, wie den Kölner Dom...

Rameau: Pigmalion/Seurat: Le Triomphe de l'Humanité

Die Hauptstadt der Region Lothringen Nancy, einstige Residenz der lothringischen Herzöge, bereitet sich auf ein gro­ßes Jubiläum vor: In diesem Jahr wird der 250. «Geburtstag» der 1755 eingeweihten Place Stanislas gebührend gefeiert – der damals aus Polen vertriebene König Stanislas I. Leszczynski hatte seinen Baumeister Heré mit der Gestaltung der heute immer noch...

Panischer Stillstand

Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jähr­lichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit...