«Eine gewisse Normalität behalten»

Die gestylten Fotoporträts hat Katharina Wagner anfertigen lassen, um sich zu tarnen. Die Urenkelin äußert sich auch über ihr Bayreuther ­Regie-Debüt mit den «Meistersingern», Sängertypen und blinde ­Passagiere im Festspielhaus.

Frau Wagner, war es Ihr Wunsch, ausgerechnet mit den «Meistersingern» in Bayreuth zu debütieren?
Mein Vater hat mir die «Meistersinger» angeboten und zwar unmittelbar nach der Premiere meiner «Lohengrin»-In­szenierung in Budapest. Da war er sich sicher, dass ich mit einem Chor umgehen kann (lacht). Im Ernst: Die «Meis­tersinger» liegen ihm sehr am Herzen, und gerade deshalb wollte er einen Regisseur, der das Stück gut kennt. Ich habe bei den «Meistersingern» oft assis­tiert: in Berlin bei Harry Kupfer und in Bayreuth bei meinem Vater.

Wenn ich ein Stück gut kenne, dann könnte man das von den «Meistersingern» behaupten.

Welche Rolle spielte die Bayreuther Assis­tenz bei Ihrem Blick auf das Stück?
Unabhängig vom Stil, in dem mein Vater inszeniert: Er kann einfach handwerklich sehr viel. Dieses Handwerk, diese Basis der Opernregie habe ich von ihm gelernt: wie man Sänger stellt zum Beispiel, in welchem Winkel, wie man mit einem Raum umgeht etc. Natürlich verwende ich dieses Handwerk anders als er.

Die «Meistersinger» sind neben dem «Parsifal» das ideologisch am meisten befrachtete Stück Ihres Urgroßvaters. Gerade in Bayreuth. Spielt der Aufführungsort eine Rolle für Ihr Konzept?

Mein ...

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Opernwelt Juli 2007
Rubrik: Interview, Seite 34
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
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