Eine Frage der Perspektive
Es gibt zwei Möglichkeiten, sich von dem prächtigen und skurrilen Opernvogel in Valencia ein Bild zu machen. Eine Möglichkeit ist Ebene Minus Zwei. Das ist die Ebene des ehemaligen Flussbettes, in das Santiago Calatravas «Palau de les Arts» eingepasst ist. Sie liegt unterhalb des Straßenniveaus und wird von künstlichen Seen bestimmt, die die Bauten der futuristischen «Stadt der Künste und der Wissenschaften» voneinander absetzen sollen.
Von hier sieht das Gebäude nicht mehr, wie von weitem, nach Riesenvogel aus, sondern wie ein Riesenhai, der gerade den Zuschauerraum eines Opernhauses verschluckt hat. Als Gebiss blinken die Stahlstreben des Foyers. Schwerelos und mächtig scheint er nach vorne zu gleiten – in Richtung Meer und in Richtung der Golfplätze, für die Valencia europaweit gerühmt wird. Dass sich in seinem Bauch auch ein Konzert-, ein Kammermusik- und ein Orchesterprobensaal befinden, nebst Restaurants, Gesellschafts- und Büroräumen: Man kann es sich erst wirklich vorstellen, wenn man diese Innereien mit eigenen Augen gesehen hat.
Die andere Möglichkeit, diesem verrücktesten Opernversuch Europas nahe zu kommen, sind ein paar Zahlen. Der Etat beträgt rund 50 Millionen ...
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