Ein weites Feld
Kaum hat man dieses Buch beglückt aus der Hand gelegt, kommt dem Leser jener legendäre Satz aus Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» in den Sinn, zu dem Effis Vater stets dann greift, wenn er unangenehmen Diskussionen mit seiner Tochter entfliehen will. Dieses oder jenes sei, so der alte Briest, doch ein «weites Feld». Oswald Panagl, beinahe drei Jahrzehnte lang Ordinarius für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Salzburg, kann es gar nicht zu weit sein.
In seinem Sammelband mit (eigens hierfür überarbeiteten) Essays schreitet er das imaginäre Geviert mit einer Gelassenheit und Souveränität ab, die höchsten Respekt verdient. Hier spricht ein Mann, der sich auskennt in den Künsten, nicht nur in der Oper. Aber auch dort.
«Im Zeichen der Moderne» lautet, überaus triftig, der Titel des Buchs, das dramaturgisch plausibel wie ein Fächer gestaltet ist und dabei durch ein hohes Maß an Originalität für sich einnimmt. Als geübter Linguist spürt Panagl zunächst einmal dem zentralen Begriff nach: Die (von Jürgen Habermas mit Recht als ein «unvollendetes Projekt» beschriebene) «Moderne», das weiß auch Panagl, ist in ihrer Gesamtheit, als Phänomen der ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 39
von Jürgen Otten
Großfamilie, das trifft es nicht ganz, da gibt es zu viele Assoziationen über Opas und Omas, liebe Tanten und böse Onkel. Nennen wir es also Klassentreffen. Weil manchmal der eine nicht kann oder die andere nicht eingeladen wurde. Und weil diese Klasse aus ähnlichen Lebewesen, aus Ermöglichern und Spürhunden, Königsmachern und Königinnenkrönern besteht. Vor allem...
Im April 2007 fand, schon lange überfällig, in Salzburg ein internationaler Strawinsky-Kongress statt, der einen doch leicht konsterniert zurückließ. Vergegenwärtigte er doch noch einmal die ein halbes Jahrhundert zurückliegende Kontroverse über Theodor W. Adornos «Philosophie der neuen Musik», samt ihrer Suche nach der «wahren» authentischen Moderne im Lichte der...
Mozart schrieb sein einziges Oratorium «Betulia liberata» im Frühsommer 1771 zwischen der ersten und zweiten Italienreise. Der Auftrag kam aus Padua, dort wurde das Werk aber nie aufgeführt. Das über 50 Mal, zuletzt 1821 von Antonio Salieri vertonte Libretto der für die Karwoche bestimmten «Azione sacra» stammt von Metastasio. Der vielfach in Literatur, Malerei und...
