Ein weites Feld
Kaum hat man dieses Buch beglückt aus der Hand gelegt, kommt dem Leser jener legendäre Satz aus Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» in den Sinn, zu dem Effis Vater stets dann greift, wenn er unangenehmen Diskussionen mit seiner Tochter entfliehen will. Dieses oder jenes sei, so der alte Briest, doch ein «weites Feld». Oswald Panagl, beinahe drei Jahrzehnte lang Ordinarius für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Salzburg, kann es gar nicht zu weit sein.
In seinem Sammelband mit (eigens hierfür überarbeiteten) Essays schreitet er das imaginäre Geviert mit einer Gelassenheit und Souveränität ab, die höchsten Respekt verdient. Hier spricht ein Mann, der sich auskennt in den Künsten, nicht nur in der Oper. Aber auch dort.
«Im Zeichen der Moderne» lautet, überaus triftig, der Titel des Buchs, das dramaturgisch plausibel wie ein Fächer gestaltet ist und dabei durch ein hohes Maß an Originalität für sich einnimmt. Als geübter Linguist spürt Panagl zunächst einmal dem zentralen Begriff nach: Die (von Jürgen Habermas mit Recht als ein «unvollendetes Projekt» beschriebene) «Moderne», das weiß auch Panagl, ist in ihrer Gesamtheit, als Phänomen der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 39
von Jürgen Otten
Die Provokation war evident, ästhetisch wie ideologisch. Heiner Müllers «Sechs Punkte zur Oper», zwei Jahre nach der Uraufführung von Paul Dessaus Musiktheater «Lanzelot» auf ein Schauspiel von Jewgeni Schwarz formuliert, trafen ins Mark eines Staates, der sich von Anbeginn an nicht sicher war, wie er mit seinen Künsten zu verfahren hatte. Das bewies schon allein...
Bei der Lektüre von Patrick Grahls klugem Booklet-Beitrag zum vorliegenden Liedalbum könnte man auch an Moritz von Schwinds berühmte Zeichnung «Ein Schubert-Abend bei Josef von Spaun» denken: Franz Schubert am Klavier, links neben ihm der Hofopernbariton Johann Michael Vogl, um sie gedrängt die Freunde. Grahl geht es freilich um Mendelssohn; er bezieht sich im...
Die «grauenvolle Stille», welche Florestan im finstersten Winkel des Staatsgefängnisses von Sevilla umfängt, ist so beredt wie eine Generalpause in einer Symphonie von Anton Bruckner. Die Assoziationsmaschine seines Gehirns läuft auf Hochtouren. Er denkt zurück an des Lebens Frühlingstage und antizipiert zugleich hellere Zeiten, imaginiert «sanft säuselnde Luft»,...
