Ein Schiff wird kommen
Sie stehen zwar nicht ganz im Dunkeln, aber doch im Schatten: die späten Musiktheaterstücke von Kurt Weill. Der amerikanische Weill wird noch immer gern mit deutscher Herablassung abgekanzelt: ein Kunstschaffender, der am Broadway fremdgeht. Als habe Weill seine Heimat frei- und mutwilig verlassen.
Wenn die Niedersächsische Staatsoper jetzt seine «Lady in the Dark» wieder ins Scheinwerferlicht holt, dann ist das mehr als nur eine späte Rehabilitierung, nämlich ein Glücksfall.
Die letzte Aufführung dieses Werks liegt fast drei Jahrzehnte zurück, selbst das Weill-Fest in Dessau hat die «Lady» nur als Stückwerk in einem Bühnenkonzert zitiert. Damit aber wird man diesem Musical, das eigentlich ein Schauspiel mit Musik ist, nicht gerecht. Immerhin ist der (von Roman Hinze dezent aktualisierte) Text länger als die Musik, auf die man obendrein rund zehn Minuten lang warten muss. Und eine Ouvertüre gibt es erst nach der Pause.
Es wird viel geredet, denn wir sind hier Bobachter einer Psychotherapie. Liza Elliott, Herausgeberin eines Modemagazins, kann sich nicht entscheiden: weder bei der Titelstory für das nächste Heft noch beim Mann fürs Leben. Also legt sie sich auf die Couch. Vor 70 ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Rainer Wagner
Das «Opernhaus des Jahres» hat sich zum Saisonstart etwas einfallen lassen: George Enescus
«Œdipe» ist ein aufwändiges Stück, das seine Zuschauer und Zuhörer keinesfalls sofort umarmt. Entsprechend selten sind die Aufführungen. La Monnaie in Brüssel wagt eine Neuproduktion. Seltene Koinzidenz in Baden-Württemberg: In Karlsruhe und Stuttgart sind mit dieser Spielzeit...
Neu ist die Idee nicht, im Rahmen eines Albums den musikalischen Wechselbeziehungen zwischen Orient und Okzident nachzugehen. Das Barockorchester Concerto Köln und das auf musikalische Grenzgänge spezialisierte Ensemble Sarband um Vladimir Ivanoff etwa brachten 2003 eine viel beachtete CD mit dem Titel «Dream of the Orient» heraus, die diesem Konzept verpflichtet...
Sicher, Verdis effetto ist da. Aber es ist doch ein recht manierlicher Sturm, der da durchs Zürcher Opernhaus tobt. Unsere Nachmittagsvorstellung des «Otello» nimmt erst allmählich Fahrt auf, dann jedoch gewaltig. Daniele Gatti, Chefdirigent für überschaubare drei Jahre, scheint sich immer mehr zu entfalten. Ist die Intrigenmine erst mal losgetreten, wird Giuseppe...
