Ein Prunkstück, schmählich verschenkt

Francesco Cileas «L’Arlesiana» in einem Live-Mitschnitt bei Bongiovanni

Opernwelt - Logo

Enrico Caruso war noch kein Star, als er die Rolle des Federico in Francesco Cileas «L’Arlesiana» übernahm. Die Uraufführung dieser Oper am 27. November 1897 im Mailänder Teatro Lirico, die nicht zuletzt dank seiner Leistung ein großer Erfolg wurde, darf als sein eigentlicher Durchbruch gelten. Die Arie «E la solita storia» zählt seither zu den absoluten Tenor-«Hits» – sie darf in keinem einschlägigen Recital fehlen und wurde zuletzt von Rolando Villazón exemplarisch interpretiert.


Doch die Oper selbst hat außerhalb Ita­liens nicht einmal einen Nischenplatz im Repertoire der Opernhäuser gefunden. Das ist bedauerlich, denn mehr noch als die spektakulärere «Adriana Lecouvreur» macht «L’Arlesiana» den Abstand deutlich, den Cilea zu den anderen Komponisten der «giovane scuola», zu Puccini und den so genannten «Veristen», hielt. Der süditalienische Juris­tensohn, der in seinen musikalischen Anfängen von Bellinis Freund Francesco Florimo angeleitet und gefördert wurde, war in seinem literarischen und musikalischen Geschmack deutlich an der französischen Kultur orientiert. Das zeigt schon die Sujetwahl von Daudets (übrigens erfolglosem) Drama «L’Arlésienne» (1872), das nur durch die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2006
Rubrik: CDs, Seite 56
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was tun?

Wer sich an «La clemenza di Tito» wagt, Mozarts zeitgleich mit der «Zauberflöte» entstandenes «Dramma serio per musica», hat es doppelt schwer. Was tun mit einer Musik, die nur in Teilen (Arien und Accompagnati) von Mozart selbst stammt und die sich, weil seine blau­blütigen Auftraggeber es aus Anlass der Krönung des österreichischen Kaisers Leopold II. zum...

Bizarre Traumwelt

Fast zehn Jahre hat sich Pascal Dusapin für sein viertes Bühnenopus «Perelà – uomo di fumo» Zeit genommen. Und – um es vorweg zu sagen – jede Minute der ausgedehnten Inkubationsphase hat sich ausgezahlt: ein großer Wurf! In dem durch einen Roman des italienischen Futuristen Aldo Palazzeschi («Il codice di Perelà», 1911) inspirierten, 2003 an der Pariser...

Wucht und Witz

Als ich ihm nach der Premiere von «Die Liebe der Danae» an der Bayerischen Staatsoper 1988 gratulieren wollte, grins­te er nur und winkte ab. Der Pollux, das sei eine Witzfigur und keine richtige Partie. Ganz realistisch war James King in seiner Selbsteinschätzung, und er konnte sich darüber amüsieren, dass diese Strauss’sche «Heitere Mythologie» eigentlich eine...