Ein Mord, den keiner versteht
Was noch nie sich traf, danach trachtet ihr Sinn: Anna Viebrock, bekannt als Ausstatterin Christoph Marthalers und Jossi Wielers, führt inzwischen selbst Regie und bringt Ungewöhnliches auf die Bühne. Wie Frank Castorf des herkömmlichen Repertoires überdrüssig, vertheaterte sie erst Robert Walsers Roman «Geschwister Tanner», um nun mit einem Musiktheaterprojekt, bestehend aus Werken Heimito von Doderers und Gustav Mahlers, aufzuwarten.
Geschehen in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und Komponisten Johannes Harneit – der mit Nonos «Al gran sole carico d’amore» in Hannover Furore machte – am Berliner HAU 1. (Hinter diesem schlagkräftigen Kürzel verbirgt sich das zum «Hebbel am Ufer» mutierte Hebbel-Theater.)
Der Charme jener «Ohne Leben Tod» betitelten Produktion liegt tatsächlich in der Verknüpfung zweier Persönlichkeiten, die man kaum zusammengedacht hätte: auf der einen Seite Mahler, der dreifach heimatlose Komponist der vorletzten Jahrhundertwende; auf der anderen Doderer, der mit dem Nationalsozialismus zeitweise mehr als nur kokettierende Romancier nach-habsburgischer Panoramen. Beide verbindet der topographische Fluchtpunkt Wien sowie die jeweils bedeutsame Konversion zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwei Werke, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, Tschaikowskys lyrische Szenen «Eugen Onegin» und Richard Strauss’ Musikdrama «Elektra», rückten bei einer Doppelpremiere an der Deutschen Oper am Rhein nahe aneinander. Beide Male sind es Alpträume der weiblichen Hauptfiguren, mit denen die Regisseure – Giancarlo del Monaco im «Onegin» und Stein...
Es ist eine tieftraurige und ungewöhnliche Geschichte, die uns die Pariser Komponistin Isabelle Aboulker und ihr Librettist Christian Eymery sowie eine Hundertschaft von acht- bis vierzehnjährigen Sängerinnen und Sängern erzählen, eine Geschichte aus der fernen Historie und doch in mancher Hinsicht erschreckend aktuell: Vor der Côte d’Azur, zwischen Cannes und...
Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statisten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die...
