Ein Mord, den keiner versteht

«Ohne Leben Tod» von Anna Viebrock und Johannes Harneit im Hebbel am Ufer in Berlin

Opernwelt - Logo

Was noch nie sich traf, danach trachtet ihr Sinn: Anna Viebrock, bekannt als Ausstatterin Christoph Marthalers und Jossi Wielers, führt inzwischen selbst Regie und bringt Ungewöhnliches auf die Bühne. Wie Frank Castorf des herkömmlichen Repertoires überdrüssig, vertheaterte sie erst Robert Walsers Roman «Geschwis­ter Tanner», um nun mit einem Musik­theaterprojekt, bestehend aus Werken Heimito von Doderers und Gus­tav Mahlers, aufzuwarten.

Geschehen in Zusammen­arbeit mit dem Dirigenten und Komponisten Johannes Harneit – der mit Nonos «Al gran sole carico d’amore» in Hannover Furore machte – am Berliner HAU 1. (Hinter diesem schlagkräftigen Kürzel verbirgt sich das zum «Hebbel am Ufer» mutierte Hebbel-Theater.)
Der Charme jener «Ohne Leben Tod» betitelten Produktion liegt tatsächlich in der Verknüpfung zweier Persönlichkeiten, die man kaum zusammengedacht hätte: auf der einen Seite Mahler, der dreifach heimatlose Komponist der vorletzten Jahrhundertwende; auf der anderen Doderer, der mit dem National­sozialismus zeitweise mehr als nur kokettierende Romancier nach-habsburgischer Panoramen. Beide verbindet der topographische Fluchtpunkt Wien sowie die jeweils bedeutsame Konver­sion zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 25
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sanfte Enttäuschung

Der ultimative «Eugen Onegin» ist dieser Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper nicht, er hält lediglich ein regionales Ereignis fest: die mit berühmten Stimmen besetzte erste Wiener Aufführung der Oper in der russischen Originalsprache.
Das Unternehmen krankt schon vom Pult aus. Seiji Ozawa sucht das, was er für «russische Seele» hält, durch lähmend langsame Tempi...

Erkennen Sie die Melodie?

Die Ouvertüre ist bekannt – unter anderem lieferte sie den (wie man das heute nennt) «Trailer», das Titelthema für die einstmals populäre Fernsehserie «Erkennen Sie die Melodie?» Aber damit hat sich’s auch schon mit dem allgemeinen Wissen über Rezniceks «Donna Diana». Denn dass sich hinter dem Titel eine früher ungemein erfolgreiche Oper verbirgt, das kann man...

Glass: Galileo Galilei

Da hat einer das Teleskop erfunden, um die Sterne der Welt zu ergründen, und ist am Ende seines Lebens blind. «Habe ich zu viel gekniet oder zu wenig», fragt sich Galileo Galilei. Wurde er von Gott gestraft, weil er seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vor der kirch­lichen Inquisition widerrief oder weil er tatsächlich Gott gelästert hat durch seine Einblicke...