Ein Getriebener

Zum Tod von Walter Raffeiner

In der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag ist Walter Raffeiner gestorben. Erinnert man sich an dieses Kraftpaket, an dieses Energiebündel und an diesen Streitlustigen, der sich am Leben rieb, ja, mit ihm stritt, fällt einem insbesondere sein Parsifal ein, den er unter Michael Gielen in der Regie von Ruth Berghaus gestaltete, aber auch sein Siegmund und sein Max im «Freischütz». Der Frankfurter Oper war er als Ensemblemitglied in der Gielen/Zehelein-Ära verbunden.

Hellhörig war man auf ihn geworden, nachdem er am Staatstheater Darmstadt zunächst Bariton-Partien gesungen hatte – mit dem «Tiefland»-Pedro dann den Wechsel zum Tenor gewagt und erfolgreich bestritten hatte.

Dieser Sänger-Darsteller erkämpfte sich seine Partien – kämpfend gleichsam gegen alle Naturgewalten, verzweifelnd an der Welt wie am Theater, das alle Ungerechtigkeiten dieser Welt  anprangern sollte und den Zuschauer wachzurütteln hatte. Walter Raffeiner sprach einen unmittelbar an, und man konnte sich diesem selbstvergessenen Temperament nicht entziehen. Viele wichtige Regisseure waren nicht zuletzt so erfolgreich, weil er tatsächlich verstand, was sie meinten, Rollen entscheidend ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Bernd Loebe

Vergriffen
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