Ein bisschen wie in Bayreuth

Herr Fischer, wir sitzen hier an einem ganz besonderen Ort: auf Schloss Esterházy in Eisenstadt. Hier war Joseph Haydn jahrzehntelang Hofkapellmeister.
Fischer: Das ist ein bisschen wie in Bayreuth, denn der Konzertsaal im Schloss ist der einzige noch bestehende Saal, wo Haydn selbst seine Werke aufgeführt hat. Er hat ihn sogar umbauen lassen, damit er seinem akustischen Ideal nahe kommt. Es ist für mich jedes Mal ein unglaubliches Glück, hier Haydn zu spielen.
Reicher: Auch der Empiresaal ist ein au­thentischer Ort.

Hier wurde zum Beispiel das Kaiserquartett uraufgeführt. Eisenstadt ist im Großen und Ganzen unverändert erhalten geblieben, insbesondere die Kirchen, für die Haydn seine Messen komponiert hat. Das macht das Geheimnis von Eisenstadt aus. Wir haben noch sieben Orgeln in Eisenstadt, auf denen Haydn selbst gespielt hat.

Ob Sie hier eine Haydn-Sinfonie aufführen oder in einem modernen Konzertsaal – gibt es da Unterschiede?
Fischer: Einige Dinge in der Musik Haydns werden nur hier klar. Seine Vorstellungen von Tempi zum Beispiel. Das kann man aus dem Nachhall schließen, den es hier gibt. Haydn hat eine der Sinfonien, die er für London komponiert hatte, später in diesem Saal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Thema, Seite 41
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eötvös: Le Balcon

Seit 1991 stemmt sich Walter Kobéra nun schon gegen das Verdikt, dass neues Musiktheater in Wien allenfalls als Festivalgabe ans Publikum zu bringen sei. Und das mit trotzigem Erfolg. Jährlich vier Premieren bietet seine durch städtische und Bundesmittel mit rund sechshunderttausend Euro unterstützte Neue Oper. Dass man sich ausschließlich um Werke der klassischen...

Historiendramen

Drei «historische» Aufführungen der «Forza» sind derzeit auf DVD erhältlich: der im Bild unzumutbare Mitschnitt vom 15. März 1958 aus Neapel mit Renata Tebaldi, Ettore Bastianini und Franco Corelli (Hardy Classics Video), die Aufzeichnung der Urfassung aus Petersburg unter Valery Gergiev von 1995 in den Bühnenbildern der Uraufführung (Kinowelt), und jetzt bei...

Märchen in der Provinz

Von Wien nach Osten parallel zur Donau. Zunächst Schwe­chat: der Flughafen, die Raffinerien. Der Kern der alten Kaiserstadt atmet noch den alten Charme. Die Außenbezirke dagegen zeigen den Moloch, der Wien auch ist. Die Autobahn nach Bratislava, nach Budapest führt schnell heraus ins Länderdreieck zwischen Österreich, der Slowakischen Republik und Ungarn. Pannonien...