Ein bisschen Hoffnung

Peter Konwitschny sucht in Dresden nach der Liebestauglichkeit von Bellinis «Norma», Gaetano d’Espinosa begleitet ihn dabei mit leichter Dirigierhand

An den Ufern der Loire, nachts um halb eins. Als habe ihnen jemand etwas in den Tee getan, irren gallische Frauen und Männer, sämtlich blondbezopft (sind sie gar dem Comic «Asterix und Obelix» entwichen?), in wallenden grünen Gewändern durch den dunklen Zauberwald, hauen einander mit krummen Stöcken aus Holz nach Barbarenart in die Rippen. Es dauert eine Weile, bis es den verrückten Wilden dämmert, dass es keine besonders gute Idee ist, den Liebsten oder die Liebste zu vermöbeln, wo doch der Feind nicht in den eigenen Reihen zu suchen ist.

So langsam geht ihnen allen ein Lichtlein auf: Die römischen Besatzer sind es, gegen die ganz Gallien aufbegehren muss. Nur gibt es da ein kleines Problem: Ohne Norma geht gar nichts. Bevor die Oberpriesterin nicht drei Mal das Schild Irminsuls angeschlagen hat,  kann und darf der Aufstand nicht beginnen.

Entsprechend groß ist die Hoffnung, als die Seherin wenig später im bordeauxroten Samtkleid in einem Bastkorb-Ballon aus den Kronen der Mistelbäume herabschwebt, ihre Novizin Adalgisa (die warmgrünes Samt trägt) im Gefolge, und die geheiligten Zweige unter dem Volk verteilt. Doch, ach, vergebens ist alles martialische Sehnen. Nicht dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Nebelschwaden

Ein Mann schlurft im graublauen Arbeitskittel auf die Bühne und stutzt angesichts des offenbar unerwarteten Publikums. Die Szene kennt man so ähnlich aus dem Theaterkabarettstück «Die Sternstunde des Josef Bieder», bei dem ein Requisiteur ungewollt zum Entertainer wird. Aber im Programmheft steht ausdrücklich: «Wenig Text in deutscher und englischer Sprache.» Und...

Und der Haifisch hat Migräne

Der Anfang ist witzig. Aus einem Bühnenloch klettern Fatty und Dreieinigkeitsmoses heraus auf die schwarz glänzende, leere Fläche, doch nicht als gewöhnliche Ganoven. Jens Larsen trägt den Talar eines salbadernden protestantischen Pfarrers, Ivan Turšić gibt, sehr pointiert, einen jüdischen Rabbi. In den Händen halten sie ihre Gebetsbücher, aber nicht allzu fest....

Heroische Posen

Anno Mungen ist nicht der Erste, der sich auf die Suche nach Wieland Wagners Anfängen macht. Seine nüchtern protokollierende Chronik stellt zusammen, was die Fakten hergeben. Hier kann er, gegenüber Brigitte Hamann und Ingrid Kapsamer (deren Monografie er nicht erwähnt), mit neuen Funden aufwarten. Er hat die ungedruckten Tagebücher von Gertrud Strobel, der Frau...