Editorial Mai 2021

Kein Wort über Corona. Kein Wort über Corona? Geht nicht. Zu viele Hoffnungen, es könnte besser werden, sind durch das widerborstige Virus respektive seine Mutanten zerstört worden. Wieder einmal. Hier und da schimmerte Hoffnung hindurch, und man war schon fast versucht, die zeitlos-schwärmerischen Worte des Dichters in die Welt hineinzurufen: «Im wunderschönen Monat Mai, / Als alle Knospen sprangen, / Da ist in meinem Herzen / Die Liebe aufgegangen.» Doch wie es aussieht, wird auch dieser Wonnemonat kein Wonnemonat für Opernhäuser und Theater werden.

Zu vage sind die Aussichten, zu vage und vor allem zu ängstlich ist auch die Politik in ihren Entscheidungen. Besonders schmerzhaft konnte man das in der bundesdeutschen Kapitale erleben. Zwei Opernpremieren mit Zuschauern waren – endlich! – annonciert worden, Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» an der Deutschen Oper Berlin, Mozarts «Le nozze di Figaro» an der Lindenoper. Ermöglicht hatte dies ein Berliner Pilotprojekt, an dem sich auch die Volksbühne, das Berliner Ensemble, die Philharmoniker und das Konzerthaus beteiligten: Jeder Besucher würde am Tag der Aufführung kostenlos untersucht werden, um dann in den Musentempel ...

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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