Editorial März 2017

Am Anfang war die Wand. Aber nicht irgendeine. Es handelte sich um eine spanische Wand, und sie war dringend nötig, damit sich Octavian binnen Sekunden vom gräflichen Galan in eine kieksende Kammerzofe verwandeln konnte. Um diese welten- und geschlechtertrennende "Rosenkavalier"-Mauer hob nun ein veritabler Streit an zwischen szenischer und musikalischer Leitung.

Der Regisseur bat die Sängerin des Octavian, den Paravent umzustürzen, damit der heilige Zorn des aus dem Amt entlassenen Liebhabers deutlich werde; der Dirigent bedeutete ihr, sie möge doch bitte so singen, wie es in der Partitur steht: pianissimo. Bis zur Premiere ging es mal so, mal so. Schließlich aber setzte sich der Generalmusikdirektor gegen den regieführenden Intendanten durch. Die Wand glitt sanft zu Boden. Eine andere Mauer indes blieb unverrückt stehen: die zwischen den beiden Alpha-Tieren.

Die Geschichte ist frei erfunden. Doch wir alle wissen: Dergleichen Hahnenkämpfe sind Usus im Theater. Der Wille zur Macht führt fast zwangsläufig zu Friktionen, nicht selten zum Zerwürfnis. Man denke nur an die Auseinandersetzungen weiland zwischen Christian Thielemann und Udo Zimmermann an der Deutschen Oper Berlin oder an ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann