Editorial Juli 2020
Der Satz ist Legende. Vielfach zitiert, je nach Kontext in dieser oder jener Weise gedeutet, von Dialektikern aufgrund seiner Wandelbarkeit hochgeschätzt. Und vielleicht hatte sein Autor genau dergleichen im Sinn, als er im 15. seiner Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» diese kunstvolle Formulierung zu Papier brachte: «Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
»
Es steht nicht zu vermuten, dass Friedrich Schiller auch nur im Traum ahnte, welch weitreichende, ja grundsätzlich neue «Bedeutung» sein Gedanke einmal erfahren würde. Fakt ist: Seit das Coronavirus unser Leben bestimmt, hat sich auch unser Verhältnis zum Spiel(en) komplett verändert. Nie zuvor war die Sehnsucht danach so groß, dass sich die Türen von Theatern, Opernhäusern, Bibliotheken, Museen wieder öffnen (was sie zwischen Moskau, Kiel, Mainz, Hannover, Zürich und Seoul teilweise bereits wieder tun). Den Grund hat kürzlich Helmut Lachenmann benannt; er liege, so der Komponist, im Wesen der Kunst selbst: «Kunst, wie beglückend und oder irritierend auch immer, so oder so belebend als sinnlich vermittelte Nachricht von Geist; ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Der Investitionsrückgang öffentlicher Ausgaben infolge der deutschen Sparpolitik in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten hat bei den Theatern zu einem fatalen Sanierungsstau geführt. Etwa 80 Prozent der mehr als 300 öffentlich subventionierten Häuser gelten als sanierungsbedürftig, rund 40 Gebäude werden aktuell renoviert. Über die weiteren 1000 privaten Theater...
Ferdinando Paër (1771-1839) komponierte als Dresdner Hofkapellmeister fast zeitgleich mit Beethoven eine «Leonora» und wurde kurz darauf von Napoleon nach Paris engagiert, wo er eine ansehnliche Karriere machte. Seine «Agnese», 1809 im Auftrag eines Privattheaters geschrieben und wohl von Dilettanten in Parma aus der Taufe gehoben, war in der Folgezeit auf allen...
Natürlich hat Goethes Theaterdirektor recht: «Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen. Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, und jeder geht zufrieden aus dem Haus.» In diesen unerfreulichen Zeiten hätte man freilich auch Lust, der Hochsprache des Dichterfürsten den phonetischen Kiezjargon Bora Dagtekins...
