Editorial
Wir wussten, dass Gerard Mortier nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Dass er den Tag im Mai, an dem «Opernwelt» und der «Ring Award» in Graz sein Lebenswerk mit einem neuen Preis für Musiktheater, dem «Mortier Award», würdigen werden, womöglich nicht mehr erleben könnte. Er hatte sich sehr über die Initiative gefreut und die Statuten des Preises mitbestimmt. Nun wollten wir ihn in Brüssel besuchen, um ihm die gerade fertig gewordene abstrakte Figur zu zeigen, die der Berliner Künstler Alexander Polzin gestiftet hat. Die Flüge waren gebucht.
Drei Tage vor dem geplanten Treffen in Brüssel hat Gerard Mortier den Kampf gegen den Krebs verloren.
«Ich mache mir keine Illusionen, aber ich hoffe», sagte er in unserem letzten Gespräch. Er war ein Zauberer mit Bodenhaftung. Ein Träumer mit nüchternem Blick für die Realitäten. Ein leidenschaftlicher Anwalt der Künste und loyaler Freund der Künstler. Unbeirrt glaubte er an das Kraftwerk «Oper». Dachte dabei nicht an Museum oder Sängerzirkus, sondern an eine moderne «Religion des Menschlichen» (siehe OW 3/2014). Tradition hieß für ihn Erneuerung. An dieser Mission hielt er fest, gegen alle Widerstände (unseren Nachruf finden Sie auf Seite 75). ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Der Ungar Jenö Hubay (1858-1937) ist heute nur noch Geigern durch seine virtuosen Violinkompositionen ein Begriff. Braunschweig hat jetzt seine 1923 in Budapest uraufgeführte, zuletzt 1936 in Wien und Chemnitz gespielte Oper «Anna Karenina» ausgegraben. Hubays Librettisten Alexander Góth und Andor Gabór (der später als kommunistischer Schriftsteller in der Weimarer...
Es ist zwar nicht sicher, ob sie in der Form überhaupt wahr ist. Aber die Story ist einfach zu gut, um sie nicht zu erzählen. Im September 1951 spielte der spätere Beat-Autor William S. Burroughs – dessen Haupt zu diesem Zeitpunkt allerdings mehr drogenvernebelt als ruhmbekränzt war – in einer Wohnung über der berühmten Bounty-Bar in Mexico City mit einer Pistole...
Stimmiger könnte der Übergang vom Wagner- zum Gluck-Jahr kaum geraten als mit einer historisch informierten Aufnahme von Christoph Willibald Glucks «Iphigenie in Aulis» in der 1847 für das Dresdner Hoftheater entstandenen Bearbeitung von Richard Wagner. Eine absolute Novität präsentiert die von Christoph Spering geleitete Produktion freilich nicht. Wagners Fassung...
