Editorial

Der spanischen Sopranistin Maria Bayo, die in diesem Monat die Titelpartie in Hasses «Cleofide» an der Dresdner Semperoper singt, ist das Porträt dieses Heftes gewidmet. Weil sie eine renommierte Sängerin ist, kann sie sich leisten, Dinge zu sagen, die weniger souveräne Künstler der Branche lieber für sich ­behalten. Es sind elementare Dinge, die fast jede Karriere, jede Opernproduktion ­betreffen und bei denen weiterzudenken sich lohnt, gerade weil im Opernalltag dafür kaum Zeit ist.

Um nur ein Stichwort anzutippen: Was ist eigentlich ein «Fach»?
Zunächst mehr eine Sache der Rechtsprechung als der Kunst. Es gibt «eingeklagte Partien», Rollen also, wie sie im Standardwerk von Kloiber/Konold/Maschka aufgelistet sind für einzelne Stimmgattungen. Der lyrische Tenor singt von Belmonte bis Albert Herring. Wenn ihm ein Intendant den Alvaro aufdrücken will, um Geld für Gäste zu sparen, kann er sich juristisch wehren – sofern er einen «Fachvertrag» hat. Auch Gesangswettbewerbe kategorisieren ihre Pflichtarien gern nach «Fächern». Historisch gesehen kommen die «Fächer» aus dem Schauspiel: Dort gab es den jugendlichen Liebhaber, die komische Alte und den Helden schon lange, bevor das Schema ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch

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