Editorial

Ist es Ihnen auch schon oft so gegangen? Man sitzt in einer Aufführung, in der laut Programmzettel deutsch gesungen wird. Trotzdem versteht man kein Wort. Das kann selbst dann passieren, wenn ein Haus sich bewusst für eine deutsche Übersetzung, etwa bei Mozart oder Monteverdi, entschieden hat. Umgekehrt kommen Italiener, die in deutschen Opernhäusern Puccini in Originalsprache hören, oft aus dem Grinsen nicht heraus. Es gibt französische Opernfans, die allen Ernstes glauben, ihre Sprache sei für die Oper ungeeignet: Sie haben sie einfach nie kompetent gesungen gehört.

Und wenn Bartók seinen «Blaubart» auf mancher Schallplatte erleben würde, käme er kaum auf die Idee, es gehe zwischen den sieben Türen auf Ungarisch zu. Dass an vielen Opernhäusern Übertitel in der Landessprache mitlaufen, bestätigt eher ein ­Defizit, als es zu beheben.
Es wäre zu einfach, dieses Defizit an Textverständlichkeit mit dem globalen Opernbusiness zu erklären. Fremdsprachen singen zu lernen, ist ungleich schwerer, als sie zu sprechen. Unmöglich ist es nicht. Astrid Varnay sang Wagner schon idiomatisch, als sie frisch aus Amerika kam. Susan Graham hat sich französische Artikulation perfekt angeeignet, ...

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Opernwelt April 2007
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
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