Editorial

Als Musiker diverser deutscher Orchester – unter anderem in Dortmund, Hamburg, Magdeburg, München, Oldenburg und Stuttgart – von Ende Januar bis Ende Februar fünfzehnminütige Warnstreiks veranstalteten, um ihrer Forderung nach mehr Geld Ausdruck zu verleihen, hätte das Publikum die Aktionen beinahe gar nicht bemerkt. Vom Kurzausstand betroffen waren nicht Konzerte, Ballett- oder Opernvorstellungen, sondern lediglich Proben. Dass es hinter Podium und Bühne köchelt, konnten interessierte Beobachter allenfalls der Zeitung entnehmen.

Die Botschaft der Deutschen Orchester­vereinigung (DOV), die die Interessen von rund 10 000 Beschäftigten in 133 öffentlich geförderten Kulturorchestern vertritt, ist dennoch angekommen: Man werde Einbußen im Zuge der Sparpolitik von Bund, Ländern und Kommunen nicht hinnehmen. Worum geht es?
Im Kern um die Absicht des Deutschen Bühnenvereins, das komplizierte Vertragswerk für Orchestermusiker, den sogenannten TVK, zu reformieren und zu vereinfachen. Wichtigster Streitpunkt ist die lange Zeit übliche Anlehnung der Musikergehälter an die Vergütung für Angestellte im öffentlichen Dienst. Mit anderen Worten: Wann immer Busfahrer, Müllwerker oder ...

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Opernwelt April 2008
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
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