Dunkle Fülle

Tatjana Gürbaca und Lothar Zagrosek gehen in Köln Walter Braunfels’ «Jeanne d’Arc» auf den Grund – mit den Mitteln eines modernen Mysterienspiels

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Eine Müllhalde, davor ein scheinbar endloser Flüchtlingsstrom: Das erste Bild lässt rabiate Aktualisierung erwarten. Doch was Ausstatter Stefan Heyme auf die Bühne gestellt hat, ist weniger naturalistisches Abbild als stilisierte Skulptur. Regisseurin Tatjana Gürbaca gewinnt daraus ein Emblem menschlichen Elends, das Gegenwart und Vergangenheit erhellend aufeinander bezieht, ähnlich wie die Maler des Mittelalters, die sich Personen der Heilsgeschichte als ihre Zeitgenossen vorzustellen pflegten.

Die Regisseurin nutzt auch die Raumsituation im Kölner Staatenhaus, die flache Breitwandbühne und den bis weit ins Publikum ragenden Steg; das groß besetzte Orchester ist links und rechts davon platziert. Mitwirkende und Publikum teilen einen Raum, eine Zeit: Das ist die Konstellation des Mysterienspiels, das von alters her das Exemplarisch-Überzeitliche verhandelt.

Genau dies war auch Walter Braunfels’ Anliegen. Das Schicksal Johannas, der «Jungfrau von Orléans» – gefeiert, verstoßen, verurteilt – musste ihm schon deshalb nahegehen, weil ihm selbst im nationalsozialistischen Deutschland Ähnliches widerfahren war. Der hoch geachtete Komponist und Hochschulrektor sah sich unversehens als ...

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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Ingo Dorfmüller

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